Mara ist happy: endlich schwanger! Eigentlich möchte sie immerzu tanzen vor lauter Glück – und gleich loslegen. Die Babyausstattung besorgen, das Gästezimmer zum Kinderzimmer ummodeln, jeder einzelnen Freundin von der guten Hoffnung berichten, mit ihrem Mann noch viele schöne Sachen machen, bevor das Kind kommt. Doch die ständige Müdigkeit, gerade im ersten Drittel der Schwangerschaft, macht Mara einen gehörigen Strich durch diese Planung.  

Wohl jede schwangere Frau macht Bekanntschaft mit diesem Gefühl: Ich bin ja soooo viel müde! Vielleicht sind auch dir schon öfter auf dem Beifahrersitz im Auto oder auf dem Sofa zu Hause die Augen einfach zugefallen. Möglicherweise begleitet dich auch das Gefühl von Erschöpfung und Energielosigkeit durch den Tag. Doch keine Sorge! Eine auffällige Müdigkeit ist als Begleiterscheinung einer Schwangerschaft meist ganz normal. Denn dein Körper arbeitet in dieser Zeit auf Hochtouren und leistet Großartiges, wenn du ein Kind erwartest. Wundere dich also nicht, wenn er dir Müdigkeit signalisiert.

Eine wesentliche Rolle spielen dabei auch die Hormone. Vor allem im ersten und im dritten Trimester der Schwangerschaft sorgen die Veränderungen in deinem Körper dafür, dass du dich schneller und öfter müde fühlst. Manche Frauen registrieren auch eine ungewohnte Mattigkeit und Kraftlosigkeit, noch bevor sie überhaupt feststellen, dass sie schwanger sind.

Manchmal kann ständige Müdigkeit in der Schwangerschaft aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung oder einen fehlenden Nähstoff wie etwa Eisenmangel sein. 

Was macht in der Schwangerschaft müde?

Die stärksten hormonellen Veränderungen treten im ersten Drittel der Schwangerschaft auf. Schon kurz nach der Befruchtung beginnt die Produktion des Schwangerschaftshormons hCG (humanes Choriongonadotropin). Das wiederum kurbelt nun die Produktion von Progesteron und Östrogen an. Vor allem der folgende rasante Anstieg des Progesteronspiegels ist nun für die Müdigkeit und teils auch für Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft verantwortlich. Dieses Hormon bereitet die Gebärmutterschleimhaut darauf vor, dass sich in ihr die befruchtete Eizelle so richtig gemütlich einnisten kann. Außerdem stabilisiert Progesteron die Schwangerschaft etwa durch das Verhindern vorzeitiger Wehen. Auch die Konzentration der Östrogene steigt jetzt stetig. Sie verhelfen der Gebärmutterzu Wachstum, dem mütterlichen Bindegewebe zu mehr Elastizität und dem Gewebe insgesamt zu besserer Durchblutung, um nur einige Aufgaben zu nennen.    

Du siehst: Gerade zu Beginn der Schwangerschaft vollbringt der weibliche Körper wahre Meisterleistungen. Damit das Baby rundum versorgt wird und sich gut entwickeln kann, wachsen auch die Plazenta  und die Gebärmutter stetig. Das Blutvolumen erhöht sich, entsprechend muss auch das Herz eine größere Blutmenge durch den Körper der Schwangeren pumpen. Der Stoffwechsel verändert sich, Blutdruck und Blutzuckerspiegel sinken. So kosten all diese körperlichen Veränderungen der Schwangerschaft Energie und machen müde.

Kommt noch ein fordernder Alltag dazu, in dem etwa die Versorgung von schon vorhandenen Kindern und/oder der Job auch eine wichtige Rolle spielen, kostet das zusätzlich Kraft – und macht umso müder. 

Im zweiten Trimester pendelt sich der Hormonspiegel ein, und auch mögliche Attacken von Übelkeit in der Schwangerschaftlassen nach. Die meisten Schwangeren fühlen sich jetzt prima, große Müdigkeit ist kaum mehr ein Thema für sie. Das ändert sich dann oft nochmals im letzten Schwangerschaftsdrittel. Jetzt sind es hauptsächlich andere körperliche Veränderungen, die für die schwangere Frau beschwerlich werden und sie entsprechend wieder stärker ermüden lassen können: Der Babybauch nimmt ordentlich an Umfang zu und bringt auch immer mehr Gewicht mit sich, das „gestemmt“ werden muss. Nicht wenig Schwangere leiden nun unter Rückenschmerzen. Dazu wird auch die Nachtruhe nicht immer zum entspannten Vergnügen, denn die Schlafphasen ändern sich, die Blase meldet sich nachts öfter, und mit „Kugelbauch“ liegt es sich auch nicht mehr sonderlich bequem. Mehr über den Schlaf in der Schwangerschaft findest du auf meinem Blog hier.

Darüber hinaus kann auch ein ungesunder Lifestyle wesentlich dazu beitragen, sich müde und schlapp zu fühlen (und das gilt nicht nur für Schwangere!): Vor allem zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung und Flüssigkeitsmangel belasten den Körper und rauben ihm förmlich Energie. 

Was macht in der Schwangerschaft munter?

Du kannst einiges für einen Energie-Kick tun, um deiner Schwangerschaftsmüdigkeit zu begegnen. Das bedeutet jedoch nicht, das Bedürfnis nach einem Schläfchen zwischendurch (neudeutsch: Powernap), nach einer kleinen Ruhepause oder auch nach Bewegung zu ignorieren. Ganz im Gegenteil! Ich weiß, es ist nicht immer einfach, die eigenen Bedürfnisse mit den Anforderungen „von außen“ unter einen Hut zu bringen. Aber jetzt ist es besonders wichtig für dich, auf deinen Körper zu hören. Versuche also, dir ausreichend Ruhe und Entspannung zu gönnen. Dabei solltest du auch kein schlechtes Gewissen haben. Nimm also auch ruhig Hilfe beispielsweise im Haushalt an, um dir Entlastung zu verschaffen. Oder bitte jemanden aus deiner Familie oder dem Freundeskreis, mit deinem schon vorhandenen Nachwuchs auf den Spielplatz gehen, während du dich mit deinem ungeborenen Kind ausruhst oder die Zeit für eine Yogaeinheit nutzt.

Das kannst du tun, um Energie für deine Schwangerschaft zu tanken:

Sorge für Bewegung: Moderater Sport wie Yoga, Walken oder Schwimmen eignen sich sehr gut für schwangere Frauen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Am besten an der frischen Luft, das sorgt zusätzlich für eine extra Dosis Sauerstoff. Deshalb tut dir und deinem Baby im Bauch auch ein Spaziergang gut. Du kannst dich auch mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin/deinem Arzt beraten, welche Art von Sport bzw. Bewegung für dich außerdem geeignet ist. Auch in meiner online-Beratung finden wir gemeinsam sicher das Passende für dich.

– Ernähre dich gesund: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung spielt eine wesentliche Rolle dabei, wie man sich in der Schwangerschaft fühlt. Dazu gehören Vitamine, Ballaststoffe und andere wertvolle Nährstoffe insbesondere aus Gemüse, Obst sowie Vollkorn- und Milchprodukten. Aber auch Fleisch und Fisch sollten ab und zu auf den Teller kommen. Nimm lieber fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu dir als wenige große, fettreiche Portionen. 

– Trinke genug: Mindestens 1,5 Liter am Tag bevorzugt Wasser oder ungesüßter Kräutertee sollten es in der Schwangerschaft schon sein. Das bringt den Kreislauf auf Trab. Es ist jedoch keine gute Idee, gegen die Müdigkeit mit Koffein anzukämpfen. Das tut deinem Kind nicht gut. Genieße koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee oder Cola also nur in Maßen. Hierkannst du noch mehr über die richtige Ernährung in der Schwangerschaft lesen. 

– Mache dein Badezimmer zur Energiequelle: Sanfte Wechselduschen regen die Durchblutung an. Wem die wechselwarme Ganzkörperdusche zu unangenehm ist, der kann auch nur die Beine abwechselnd warm und kühl abspülen. In jedem Fall ist es wichtig, mit kaltem, bzw. kühlen Wasser zu enden. Auch ein Rosmarinbad soll belebend wirken. Dafür gibst du ein paar Tropfen ätherisches Rosmarinöl ins Badewasser. Dies hat die ideale Temperatur zwischen 28 und 38 Grad. 

– Genieße den Kontakt mit anderen: Eine schwangere Frau gehört beileibe nicht nur ruhend aufs Sofa, sondern auch fröhlich unter die Leute! Stelle deine sozialen Kontakte also nicht ein, sondern pflege und hege sie. Der Austausch mit Freund*innen ist immer belebend, ganz gleich, was ihr zusammen unternehmt. Ein gutes Gespräch (nicht nur über deine Schwangerschaft!), ein Filmabend, ein Shopping-Bummel, gemeinsames Kochen oder kleine Ausflüge am Wochenende – das alles sind wahre Energiebooster! 

Wann steckt mehr hinter der Müdigkeit in der Schwangerschaft?

Wenn die Müdigkeit auch im zweiten Trimester unverändert anhält und/oder möglicherweise noch andere Symptome hinzukommen, geht das über das „übliche“ Maß hinaus. Zögere in dem Fall nicht, deine Hebamme oder deine Gynäkologin/deinen Gynäkologen darauf anzusprechen. So kann auch eine Blutuntersuchung Aufschluss über die Ursache deiner Abgeschlagenheit geben. Die Gründe können unterschiedlich sein, doch sie erfordern ärztliche Abklärung und ggf. Behandlung:

Eisenmangel: Vereinfacht gesagt, sorgt das Spurenelement Eisen dafür, dass die Körperzellen mit Sauerstoff versorgt werden. Während der Schwangerschaft erhöht sich der Eisenbedarf, weil jetzt zusätzlich vor allem das Baby, die Gebärmutter und die Plazenta gut versorgt werden müssen. Den Eisentransport übernimmt das Blut, das nun in größeren Mengen im Körper der Schwangeren fließt. Manchmal reicht jedoch die mit der Nahrung aufgenommene Eisenmenge nicht aus, um den Bedarf in der Schwangerschaft zu decken. Etwa 30% der Schwangeren sind von Eisenmangel betroffen. Er macht sich auch durch chronische Abgeschlagenheit bemerkbar. Möglicherweise müssen die Frauen dann ein Eisenpräparat einnehmen, um eine ausreichende Eisenversorgung zu gewährleisten. Das sollte jedoch nur in Absprache mit der Ärztin/dem Arzt erfolgen. 

Schilddrüsenunterfunktion: Die Schilddrüse produziert Hormone, die für den Stoffwechsel und zahlreiche Körperfunktionen wichtig sind. Werden diese Schilddrüsenhormone nicht mehr in ausreichender Menge produziert, kommt es zu entsprechenden Beeinträchtigungen. Neben großer Müdigkeit können sich auch Haarausfall und Konzentrationsschwierigkeiten zeigen. Außerdem kann die Entwicklung des Babys beeinträchtigt werden. Deine Ärztin/dein Arzt weiß, welche Behandlung dann erforderlich ist. Die Hormone der Schilddrüse spielen auch eine wichtige Entwicklung bei der Ausreifung der Brust und der Milchproduktion. Auch für eine erfolgreiche Stillbeziehung ist es deshalb wichtig, die Schilddrüsenwerte in der Schwangerschaft zu überprüfen.

Schwangerschaftsdepression: Negative Gedanken, Ängste, Zweifel, Antriebslosigkeit, anhaltende Traurigkeit – und Müdigkeit sind Anzeichen einer Schwangerschaftsdepression. Das ist nichts, wofür sich eine Schwangere schämen muss. Es handelt sich jedoch um Symptome, bei denen sie Hilfe suchen sollte, denn diese Erkrankung kann die Bindung zu ihrem Kind beeinträchtigen und nach der Geburt in eine Wochenbettdepressionübergehen. Erste Ansprechpartner*innen sind für dich hier die Hebamme oder die Ärztin/der Arzt. 

Autorenbox

Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.