Viele von mir betreute Schwangere und Mütter klagen über Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum). Das sind jene Dehnungsstreifen in der Haut, die sich während der Schwangerschaft von zartrosa bis bläulich-violett als leichte Hautvertiefung zeigen. Vor allem treten sie am Bauch auf, manchmal auch an den Oberschenkeln oder Brüsten. 

Wenn auch du bei dir Schwangerschaftsstreifen entdeckt hast, so gehörst du zu den 50 bis 75 Prozent der werdenden Mütter, die davon betroffen sind.

Auch wenn diese schmerzlosen Risse in der Haut keinerlei gesundheitlichen Probleme mit sich bringen, hadern viele Frauen damit. Bereits an dieser Stelle möchte ich euch ermutigen: Euer Körper erbringt mit der Schwangerschaft und Geburt eine wirklich außerordentliche Leistung. Davon können auch Dehnungsstreifen zeugen. Seid also nachsichtig mit diesen körperlichen Veränderungen und erlaubt euch, stolz zu sein auf das Wunder, das ihr mit eurem Körper vollbracht habt.

Wie entstehen Schwangerschaftsstreifen?

Deine Haut besteht von außen nach innen betrachtet wesentlich aus drei Schichten: der Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis) und der Unterhaut (Subcutis). Wenn das Baby in deinem Bauch stetig wächst, muss sich auch deine Haut entsprechend dehnen und anpassen. Zusätzlich sorgen die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft dafür, dass sich dein Bindegewebe lockert und die Haut möglicherweise spröde wird. Kann sie der zunehmenden Dehnung nicht mehr standhalten, kommt es zu Rissen im Unterhautgewebe. Diese Risse lassen dann die darunter liegenden Blutgefäße durchschimmern. Das erklärt die Verfärbungen der Schwangerschaftsstreifen. Nach der Geburt verblassen die Unterhautrisse mit der Zeit, bleiben aber als „weißliche Erinnerung“ an die Schwangerschaft bestehen. 

Besonders jüngere Schwangere bis etwa Mitte 20 sind von Dehnungsstreifen betroffen. Denn ihre Haut ist einfach noch straffer als die etwas älterer Frauen. Außerdem treten Schwangerschaftsstreifen häufiger bei blonden und hellhäutigen Frauen auf. Gleiches gilt für Schwangere mit einem von vornherein schwachen Bindegewebe sowie die diejenigen Frauen, die in der Schwangerschaft schnell und stark an Gewicht zunehmen. Darüber hinaus wird in der Forschung eine genetische Komponente diskutiert, da häufig auch Frauen von Dehnungsstreifen betroffen sind, deren Mütter oder Großmütter auch Dehnungsstreifen aufwiesen. 

Lassen sich Dehnungsstreifen verhindern?

Leider nein. Erst kürzlich „beschwerte“ sich bei mir eine Wöchnerin während der Nachsorge: „Ich habe meine Haut regelmäßig gecremt und massiert – und was hat es mir gebracht? Jedenfalls nicht viel!“ 

Auch die Wissenschaft konnte noch keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen bestimmten vorbeugenden Maßnahmen und der tatsächlichen präventiven Wirkung für Dehnungsstreifen nachweisen. Trotzdem kannst du etwas tun, worüber sich deine Haut und dein Körper freuen werden: Pflege und Zuwendung. Vor allem mit Blick auf die Haut kannst du einiges tun, um sie möglichst weich und elastisch zu halten sowie ihre Durchblutung zu fördern. Dadurch lassen sich entstehende Schwangerschaftsstreifen möglicherweise abmildern – aber komplett verhindern kannst du sie mit keiner Maßnahme, wenn sie kommen. 

Meine Tipps

Gönne dir Massagen: Das kann eine sanfte Zupfmassage sein, bei der du mit Daumen und Zeigefinger deine (ggf. vorher eingeölte) Haut massierst oder „nur“ eine Ölmassage. Gute und wohltuende Dienste leistet auch ein Massagehandschuh oder oder eine Körperbürste

Nutze spezielle Pflegeprodukte: Im Handel gibt es Cremes, Lotionen oder Öle, die speziell für Schwangere entwickelt wurden. Deren Inhaltstoffe sollen deine Haut nicht nur pflegen, sondern auch geschmeidig halten. 

Probiere Wechselduschen aus: Der wiederholte Wechsel zwischen warmem und kaltem Wasser fördert unter anderem die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Nebenbei stärkt das auch dein Immunsystem.

Sorge für Bewegung: Regelmäßige Bewegung oder moderate sportliche Aktivitäten – am besten an der frischen Luft – fördern ebenfalls die Durchblutung der Haut. 

Trinke viel: In der Schwangerschaft ist es grundsätzlich wichtig, ausreichend zu trinken. Am besten greifst du dafür zu Wasser. Mindestens zwei Liter täglich machen auch deine Haut elastischer. 

Ernähre dich gesund: Eine abwechslungsreiche und vitaminreiche Ernährung sorgt auch für einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt und somit für elastisches Bindegewebe. Auch einer schnellen und starken Gewichtszunahme lässt sich so gegenwirken. Mehr zur gesunden Ernährung in der Schwangerschaft findest du in meinem Blog hier .

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Schwangerschaftsstreifen nachträglich behandeln?

Wenn sich nach der Geburt die Gebärmutter und die Bauchecke immer weiter zurückbilden, werden auch die Risse im Bindegewebe schmaler. Sie verblassen auch zunehmend, weil jetzt die darunter liegenden Blutgefäße nicht mehr durchschimmern. Die Risse selbst bleiben jedoch als weißliche Streifen in der Haut sichtbar bestehen. Das heißt: Sie verschwinden nicht mehr. Mit Cremes, Pflegeölen oder Massagen (siehe oben) solltest du deine Haut aber trotzdem weiter pflegen und geschmeidig halten.

Daneben gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden, die jetzt Abhilfe versprechen. Allen gemeinsam ist, dass sie zeit- und kostenintensiv sind, nicht von der Krankenkasse bezahlt werden – und auch keine Wunder bewirken. Das heißt: Auch nach einer teuren Behandlung wird dein Bauch bzw. Körper nicht wieder genau so aussehen wie vor der Schwangerschaft. Hier stelle ich dir die gängigsten Verfahren kurz vor: 

Salben mit Vitamin A Säure sind verschreibungspflichtig undsollen die Bildung von Kollagen und Elastin anregen. Für sichtbare Effekte musst du mindestens ein halbes Jahr Geduld aufbringen. Diese Präparate dürfen nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. 

Ein Peeling mit Glykol- bzw. Ascorbinsäure fördert die Neubildung von Zellen und sorgt dafür, dass die Schwangerschaftsstreifen verblassen.

Das Micro-Needling ist eine weitere Methode. Hierbei perforiert ein spezielles Gerät die Haut mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden Löchern. Diese Mikro-Verletzungen sollen die Selbstheilungskräfte der Haut aktivieren und durch die Bildung von Kollagen und Elastin letztlich neues straffes Bindegewebe aufbauen. 

Laserbehandlungen gegen Dehnungsstreifen werden ebenfalls angeboten. Sie gelten als effektiv, dürfen jedoch nur in Hautarztpraxen vorgenommen werden. Auch durch diese Methode soll letztlich neues Bindegewebe aufgebaut und die vorhandenen Dehnungsstreifen weiter ausgeblichen werden.

Meine Meinung

Ich glaube, dass das Hauptproblem nicht in den zurückbleibenden Schwangerschaftsstreifen liegt, sondern in der Frage, wie sie bewertet werden. Und zwar durch die Frauen selbst, aber auch von ihren Partnerinnen und Partnern. Nach meiner Erfahrungen finden betroffene Frauen ihre Streifen oft deshalb so „schlimm“ oder „häßlich“, weil sie fürchten, deshalb von anderen als nicht mehr attraktiv wahrgenommen zu werden. Aber Hand aufs Herz: Stimmt das wirklich – oder ist es tatsächlich nur eine Befürchtung? 

Ich kann euch nur raten: Verabschiedet euch vom vermeintlichen Schönheitsideal und „perfekten Körperbild“. Beides gibt es sowieso nicht – und wenn, dann höchstens durch Photoshop. Redet euch nichts ein, lasst euch nichts einreden und fühlt euch zu nichts gedrängt. Vielleicht habt ihr nicht das perfekte Körperbild, wie es vielfach in sozialen Netzwerken vorgegaukelt wird. Aber ihr habt den perfekten Körper, denn er hat in der Schwangerschaft und bei der Geburt genau das Richtige getan. Ich habe es vorhin schon erwähnt: Seid stolz darauf! Und wenn ihr in den sozialen Netzwerken etwas folgen wollt, dann folgt dem relativ neuen Body-Positivity-Trend. Zum Glück entdecken ihn immer mehr Mütter. Gut so!

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.