Du kannst es gar nicht mehr erwarten, dass Dein kleines Wunder endlich auf die Welt kommt, aber die Geburt kündigt sich nicht an? Wenn sich Dein Baby nicht von allein auf den Weg machen möchte, dann erfolgt die Einleitung der Geburt. Wie das abläuft, welche Hilfsmittel eingesetzt werden und welche Medikamente dabei zum Einsatz kommen, verraten wir Dir in diesem Artikel.

Die meisten Frauen wünschen sich eine sanfte Geburt im Krankenhaus oder in einem Geburtshaus. Einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin (ET) wird die Kliniktasche gepackt, der Geburtsplan ausgearbeitet und man meldet sich im Krankenhaus zur Geburt an. Und wenn der Entbindungstermin dann immer näher rückt, rechnest Du mit Wehen, die ankündigen, dass Dein kleines Wunder endlich zur Welt kommt. Und was passiert, wenn nichts passiert? 

Einleitung der Geburt

Was ist eine Geburtseinleitung?

Nicht jedes Baby möchte zum errechneten Termin auf die Welt kommen. Einige haben es eilig und kommen früher (Frühgeburt), andere möchten sich gerne Zeit lassen. 

“Mein Sohn hatte es so gar nicht eilig. Am Tag des errechneten Termins konnte das CTG nicht eine einzige Wehe aufzeichnen. Kein Wunder. Ich hatte auch keine Wehen. Bei mir setzten die Wehen erst zwei Tage nach dem errechneten Termin ein. Wäre er noch später gekommen, hätte auch ich eine Einleitung der Geburt bekommen.”

Julia, Mama von Paul

Bei der Geburtseinleitung bekommt die werdende Mama Medikamente verabreicht, die Wehen auslösen. Je weiter fortgeschritten Deine Schwangerschaft ist, desto anstrengender wird es für Dich. Allerdings wird es auch für Dein Baby nicht einfacher, denn es wächst stetig und die Plazenta kann es irgendwann nicht mehr richtig versorgen. Wann die Plazenta zu alt ist, um dein Baby zu ernähren, weiß niemand genau. Deshalb wird zwischen dem 7. und 14. Tag nach dem errechneten Termin eine Einleitung empfohlen.

Warum wird eine Geburt eingeleitet?

Für die Einleitung der Geburt kann es verschiedene Gründe geben. Die meisten Frauenärzte schauen sich das Wachstum deines Babys an, beurteilen das CTG und wägen dann mit dir ab, wann eine Einleitung für dich und das Baby ratsam ist. Natürlich ist dabei auch wichtig, wie es dir geht. Aber auch, wenn die werdende Mama älter als 40 Jahre ist, kann das ein Grund sein die Geburt einzuleiten. Zudem gibt es neue Studien die belegen, dass Kinder, die nach der 38. SSW geboren werden, oft ein Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm erreichen. 

“So war das bei mir auch auch: unser Sohn kam per Kaiserschnitt bei 40+2 auf die Welt und wog stattliche 4.030 Gramm.” 

Julia, Mama von Paul

Je größer und je schwerer das Baby bei der Geburt ist, desto größer ist das Risiko eines Dammriss, für stärkeren Nachblutungen oder einem verzögerten Geburtsverlauf. Auch ein hoher BMI der Mutter kann ein Grund zur Einleitung der Geburt sein, oder auch Rauchen in der Schwangerschaft.

Allerdings gibt es mittlerweile auch viele Frauen, die auf eigenen Willen die Einleitung der Geburt möchten; eine sog. Wunscheinleitung. Das sagt Hebamme Katharina dazu:

“Eine Wunscheinleitung mit Medikamenten ist keine gute Idee. Denn die Geburt beginnt dann, wenn du und das Baby fertig sind für die Geburt. Wenn es einen medizinischen Grund gibt, dein Baby im Bauch nicht mehr gut versorgt wird, hilft es bei der Einleitung mit. Dann beginnt auch die Geburt. Wenn der Grund der Einleitung ist, dass das Geburtsdatum gut passen würde, oder du einfach nur noch möchtest, dass dein Baby geboren wird, dann werden die Medikamente entweder nicht anschlagen, oder sie machen unnötig starke Schmerzen.” 

Katharina, Hebamme und Mutter

Deine Lust auf das Baby fördert den Geburtsbeginn. Was du sonst noch tun kannst, erfährst du weiter unten im Artikel.

Aber auch eine Risikoschwangerschaft kann ein guter Grund für die Einleitung der Geburt sein. Es gibt verschiedene Gründe, die zu einer Risikoschwangerschaft führen:

  • vorzeitiger Blasensprung
  • zu viel oder wenig Fruchtwasser
  • ein verhältnismäßig großes Kind
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie oder HELLP-Syndrom)
  • usw.

Wann erfolgt die Einleitung der Geburt?

Es gibt keine genaue Angabe, ab wann eine Geburt eingeleitet wird. Die Einleitung der Geburt erfolgt immer nach den persönlichen Umständen und nach dem gesundheitlichen Zustand von Mutter und Kind. Man kann aber sagen, dass jeder Frauenarzt eine werdende Mutter ab der 42. SSW zur Einleitung der Geburt in die Klinik schicken wird. Denn niemand möchte Geburtskomplikationen wegen der Terminüberschreitung riskieren. 

Was passiert bei der Geburtseinleitung?

Hat sich der Frauenarzt oder die werdende Mutter für die Einleitung der Geburt entschieden, wird die Schwangere stationär aufgenommen. Für Dich bedeutet das: Kliniktasche packen, Geburtsplan einpacken und ab ins Krankenhaus. Gemeinsam mit dem Krankenhausteam wirst Du Dich für eine Methode der Geburtseinleitung entscheiden: mechanisch oder medikamentös. Über die letzten Jahre wurden beide Verfahren deutlich verbessert, sodass die Risiken gesunken sind. 

Für welche Methode Du Dich entscheidest, hängt von Dir selbst ab, Du solltest aber die Ratschläge des Arztes berücksichtigen. Denn er kann abschätzen, ob eine vorangegangener Kaiserschnitt, Dein Gesundheitszustand oder der Zustand Deines Kindes die Einleitung der Geburt beeinträchtigen kann. Und er weiß, welches Medikament in deinem Fall die höchste Trefferquote hat. In jedem Fall musst du dich aber darauf einstellen, dass die Geburt nicht sofort beginnt. Eine medikamentöse Einleitung kann Stunden dauern. Oft sogar einige Tage.

Medikamentöse Geburtseinleitung

Eine Möglichkeit die Geburt einzuleiten ist der sog. Wehentropf. Dabei bekommst Du eine Infusion, die den Wirkstoff Oxytocin enthält. Dieses Hormon sorgt für Kontraktionen in der Gebärmutter und damit auch für Wehen. Ein besonderer Nebeneffekt: Dein Körper schüttet das Hormon Oxytocin auch aus, wenn Du Dein Baby im Arm hälst und fördert die Milchbildung. Bekommst Du zur Einleitung der Geburt einen Wehentropf, stärkt dieser auch die Mutter-Kind-Bindung und kann den Milcheinschuss nach Geburt beschleunigen. Der Wehentropf kann aber nur dann wirken, wenn deine Gebärmutter schon bereit für die Geburt ist. Wenn der Muttermund schon weich ist. Im idealfall ist der Gebärmutterhals verkürzt und der Muttermund schon wenige Zentimeter geöffnet. Dann kann ein Wehentropf den kleinen Schubs geben, den du und dein Baby noch brauchen. Sobald die Wehen regelmäßig sind, wird der Wehentropf wieder abgestellt.

Eine Alternative zum Wehentropf ist der Wirkstoff Prostaglandine, der über ein Gel oder eine Tablette verabreicht wird. Die Tablette ist auch besser bekannt unter dem Namen “Cyclotec”. Cytotec darf aber nur sehr vorsichtig dosiert werden. Denn – anders als der Wehentropf – lässt sich die Wirkung nur schlecht einschätzen. Die Wirkung lässt sich nicht einfach wieder abstellen. 

“Cytotec ist ein Medikament, das nicht für die Geburtseinleitung zugelassen ist. Es darf nur dann eingesetzt werden, wenn eine sorgfältige Abwägung des Nutzens aber auch der möglichen Nebenwirkungen für dich und dein Baby stattgefunden hat. Und dann muss es vorsichtig eingesetzt, also niedrig dosiert werden.”

Mehr zum Thema “Cyclotec als Wehenmittel” kannst Du hier nachlesen.

Prostaglandine sorgen dafür, dass der Muttermund weich wird und sich öffnet. Dadurch werden die Wehen gefördert. Das Problem liegt leider bei der Dosierung: weder das Gel noch die Tablette (die zerbröckelt in Wasser aufgelöst wird) kann korrekt dosiert werden. Bevor Du Dich für eine Einleitung der Geburt mit Prostaglandine entscheidest, solltest Du alle Vor- und Nachteile gut abwägen. 

Mechanische Geburtseinleitung

Wenn Du Dich gegen eine medikamentöse Einleitung der Geburt entscheidest, werden Ärzte und Hebammen versuchen, die Geburt mechanisch einzuleiten. Dabei wird der Muttermund mechanisch so stimuliert, dass der Körper selbst Prostaglandine ausschüttet und sich der Muttermund dadurch öffnet. Natürlich ist auch eine Kombination aus beiden Methoden möglich. 

Eine Möglichkeit die Geburt mechanisch einzuleiten ist die Eipollösung. Hierbei wird die äußere Hülle der Fruchtblase vorsichtig mit dem Finger gelöst. Normalerweise ist dieser Vorgang nicht besonders unangenehm, sofern der Arzt oder die Hebamme dabei sehr vorsichtig vorgehen. Es ist möglich, dass danach leichte vaginale Blutungen entstehen, die in der Regel aber unbedenklich sind. Es gibt Studien die belegen, dass eine Eipollösung dafür sorgt, dass im weiteren Verlauf der Geburt weniger oder keine Wehenmittel nötig sind.

Eine andere Möglichkeit ist der Ballonkatheter. Dabei wird ein kleiner Katheter durch die Scheide in die Gebärmutterhals eingeführt, an dessen Spitze sich ein oder zwei kleine Ballons befinden. Die Ballons werden mit Kochsalzlösung gefüllt und sollen den Gebärmutterhals dehnen. Diese Dehnung kann unangenehmen, bei manchen Frauen sogar schmerzhaft sein. Durch das Aufdehnen des Gebärmutterhals soll der Körper selbst die nötigen Hormone ausschütten, damit der Muttermund reift. Der Ballonkatheter führt dazu, dass die Wehen später weniger stark werden. Die Einleitung der Geburt mit dem Ballonkatheter ist aber nicht möglich, wenn Du vorher einen Kaiserschnitt hattest.

In manchen Fällen ist die Geburt bereits im Gang, aber die Wehen sind nicht stark genug, um das Baby auf die Welt zu bringen. In diesen Fällen wird eine Amniotomie durchgeführt. Dabei wird die Fruchtblase geöffnet. Die Hebamme führt über den bereits geöffneten Muttermund ein kleines Instrument ein und sticht damit in die Fruchtblase. Dieser Eingriff ist schmerzlos, wird aber nicht als Mittel zur Einleitung der Geburt empfohlen. Durch das öffnen der Fruchtblase ist das Wasserpolster vor dem Kopf weg. Das harte Babyköpfchen drückt direkt auf den Muttermund. Das löst Wehen aus und beschleunigt die Geburt.

Wie lange dauert es, bis die Wehen dann einsetzen?

Die Einleitung der Geburt kann unterschiedlich lange dauern. Ebenso wie die natürliche Geburt, können weder Ärzte noch Hebammen vorhersagen, wie lange es dauert, bis die Geburt beginnt. Manche Hebammen berichten, dass die Dauer der Geburtseinleitung beim Wehentropf bei rund drei Stunden liegt. Aber auch hier kann es individuelle Unterschiede geben. Bei der Eipolablösung kann es bis zu 48 Stunden dauern, bis die Geburt beginnt. Beim Einsatz von Cyclotec ist die Dauer der Geburtseinleitung sehr unterschiedlich, sodass keine exakten Angaben möglich sind. Entscheidest Du Dich für die Einleitung der Geburt mit einem Ballonkatheter, musst Du mit mindestens 24 Stunden rechnen.

Welche Risiken gibt es bei der Einleitung der Geburt?

Natürlich ist die Einleitung der Geburt auch mit Risiken verbunden. Diese Risiken müssen immer niedriger sein, als das Risiko für dich und dein Baby, wenn du länger Schwanger bleibst. Besonders risikobehaftet ist der Einsatz von Prostaglandinen. Denn sie sind schwer zu dosieren. Deshalb können sie zu Wehenstürmen und sogar zu einem Riss in der Gebärmutter führen. Sie führen häufig zu  sehr starken und schmerzhaften Wehen führen, sodass ein erhöhter Einsatz von Schmerzmitteln nötig ist. Zudem kann sich das Risiko für einen Notkaiserschnitt oder den Einsatz einer Saugglocke oder Geburtszange erhöhen. 

Was ich selbst tun, damit die Wehen einsetzen?

Wenn Du merkst, dass der Geburtstermin immer näher rückt oder Du ihn schon überschritten hast, kannst Du zu Hause auch ein paar Dinge tun, dafür sorgen können, dass die Geburt beginnt:

Du brauchst für den Geburtsbeginn das Hormon Prostaglandin und Oxytocin. Beides Hormone bildet dein Körper und der Körper deines Babys. Du kannst deine Produktion durch die Ernährung beeinflussen. Du hast über deine Nahrung Einfluss auf deinen Insulinspiegel im Blut. Ist der hoch, hemmt er die Bildung von Prostaglandin. Versuche deshalb vor der Geburt deinen Speiseplan so zu gestalten, dass er dich gut für die Geburt vorbereitet. Du brauchst viel Eiweiß, gute Fette und wenige Kohlenhydrate. Damit förderst du übrigens nicht nur den Beginn der Geburt, du reduzierst damit auch die Schmerzen.

Die Wehen werden durch den Druck des Kopfes deines Kindes am Muttermund unterstützt. Das kannst du durch deine Bewegung beeinflussen. Ausgiebige Spaziergänge an der frischen Luft, fördern den Geburtsbeginn. Sie haben übrigens auch einen Einfluss auf deinen Zuckerhaushalt. Spazierengehen hat nicht nur den mechanischen Effekt, sondern auch Einfluss auf die richtige Hormonproduktion.

Möchtest du diesen Druck verstärken, dann hilft es, wenn du dir Zeit nimmst, um dein Becken zu Kreisen. Du schaukelst dein Kind damit sanft in Richtung Geburt. Unterstützend kannst du dazu noch in die Tiefe Hocke gehen. Wie das geht, findest du in meinem Geburtsvorbereitungskurs.

Ein sehr bekanntes und langjährig verwendetes Mittel in der Geburtsmedizin ist der Rizinus-Cocktail, besser bekannt als Wehencocktail. Dabei wird Rizinusöl mit Aprikosensaft und Mandelmus gemischt. Allerdings solltest Du vorab mit Deiner Hebamme sprechen um zu klären, ob damit eine Geburtseinleitung bei Dir möglich ist. Denn Rizinus kann zu heftigem Durchfall führen. Aber auch zu den gleichen Wehenstürmen wie eine Einleitung mit Prostaglandinen. Der Rizinus-Cocktail ist kein harmloses Mittel. Besonders dann nicht, wenn du ein Rezept mit Alkohol nimmst. Alkohol verstärkt zwar die Wirkung des Rizinus-öl. Alkohol ist aber auch zur Geburtseinleitung schädlich für das Gehirn deines Babys.

Einige Frauenärzte raten zu Geschlechtsverkehr um die Wehen zu fördern. Auch die Stimulation der Brustwarzen soll die Geburt in Gang bringen. Im Sperma befinden sich Hormone (Prostaglandine), die das Zusammenziehen der Gebärmutter auslösen sollen. Zudem wird beim Orgasmus der Frau Oxytocin ausgeschüttet. Damit kannst du zwar das Kind nicht zur Geburt überreden, wenn das Baby noch nicht so weit ist. Aber der Spaßfaktor ist dir sicher. Und der fördert in jedem Fall eine gute Geburt.

Du suchst noch einen Geburtsvorbereitungskurs? Unsere Hebamme Katharina zeigt Dir in ihrem Online-Kurs zur Geburtsvorbereitung in über 30 Video-Lektionen, wie Du Dich und Deinen Partner bestmöglich auf die Geburt vorbereitest.