Für schwangere Frauen und frisch gebackene Mütter bzw. Eltern schreibt das Leben besondere Geschichten. Darin geht es um Alltagsmomente und herausragende Situationen, um Wünsche, Erwartungen und Enttäuschungen, um Bindung und Beziehung, um Fähigkeiten, Entwicklungen, Probleme und Veränderungen –  eben um Einblicke in „ganz normale“ Mama- oder Papa-Tage. Jede dieser Geschichten ist es wert, erzählt zu werden.

Mich erreichen viele Geschichten von Eltern. Über diesen Blog sowie online in meinen Kursen, meinen Workshops und auch in meiner Hebammenberatung

Die Mamas wünschten sich, ihre Geschichten zu teilen. Dabei sind sämtliche Namen anonymisiert.  Wenn du auch deine Geschichte erzählen möchtest, freue ich mich sehr über deinen Geburtsbericht.

Amelie: „Der blöde Satz vom Gynäkologen klebte in meinem Kopf“

Vor einem Jahr kam unser Darius zur Welt. Die Schwangerschaft war problemlos. Ein bisschen Übelkeit, Stimmungsschwankungen und viel Müdigkeit am Anfang, aber das geht ja wohl fast allen Schwangeren so. Ansonsten war alles okay. Als es dann schließlich auf die Geburt zuging, war ich froh, denn ich fühlte mich mittlerweile so unbeweglich wie ein gestrandetes Walross. Und außerdem war ich sooooo neugierig auf mein Kind!

Auch meine Brüste haben während der Schwangerschaft mächtig zugelegt. Weil ich gerade am Anfang darin häufiger ein Spannungsgefühl verspürte, wandte ich mich sorgenvoll an meinen Gynäkologen. Nach einer kurzen Untersuchung beruhigter er mich jedoch und meinte, dass das mit der Hormonumstellung zu tun hätte und ganz normal sei. Und dann sagte er noch: „Aber mit Ihren Brustwarzen werden Sie Ihr Kind wohl nicht stillen können – Sie haben nämlich Schlupfwarzen.“ Und das könne auch von verkürzten Milchgängen kommen.

Ich war wie vom Donner gerührt! Natürlich wusste ich, dass meine Nippel nicht so hervorstehen wie bei anderen Frauen, sondern eher nach innen eingezogen sind. Andererseits habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass sie durchaus neugierig hervorlugen können, wenn mein Mann beim Sex meine Brust streichelt. 

Jedenfalls hatte ich bis dahin noch gar nicht daran gedacht, dass ich wegen meiner Brüste nicht stillen könnte. Deshalb saß ich nun verloren vor dem dicken Schreibtisch meines Gynäkologen und kämpfte mit den Tränen. Er meinte aber nur, dass es doch nicht so schlimm sei, weil ein Baby ja auch mit dem Fläschchen gedeihen könnte. Und außerdem würde es da noch so Hilfsmittel geben, so kleine Plastikhütchen, die ich mir auf die Brustwarzen setzen könnte und mit denen es ja vielleicht doch noch klappen würde. Das sollte ich mir in der Geburtsklinik zeigen lassen, die Hebammen wüssten schon. Aber für mich brach eine Welt zusammen, weil ich mein Kind so gern ganz normal stillen wollte. Und nicht mit irgendwelchen blöden Plastikdingern.

Die Vorhersage des Gynäkologen verfolgte mich nun während der gesamten Schwangerschaft. Ich war total verunsichert und recherchierte im Internet darüber, fand dort aber auch nur diese sogenannten Saughütchen, mit deren Hilfe sich die Brustwarzen aufrichten sollen. 

Ich muss sagen, dass mir diese Informationen die Schwangerschaft ziemlich verhagelt haben. Als ich dann zur Geburt in die Klinik kam, habe ich der Hebamme auch gleich gesagt, dass ich nicht stillen kann. Davon war ich mittlerweile fest überzeugt. „Das werden Sie schon hinkriegen“, meinte die Hebamme jedoch. „Bei uns konnte noch jede Frau stillen, die das wollte. Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen!“ Ihre selbstverständliche Zuversicht tat mir echt gut.

Nachdem sich Darius nach seiner Geburt ein bisschen ausgeruht hatte, zeigte mir die Hebamme, wie ich ihm meine eingezogene Brustwarze samt Vorhof so ins Mündchen stecken konnte, dass der Kleine saugen konnte. Und er saugte! Ich war ganz glücklich.

Eigentlich wollte ich so rasch wie möglich nach der Geburt mit Darius nach Hause. Die Hebammen rieten mir jedoch, noch ein, zwei Tage länger in der Klinik zu bleiben, damit ich sicherer mit dem Stillen wurde. Das war ein guter Rat, denn bei den ersten Malen habe ich es allein einfach nicht hinbekommen. Wenn Darius vor Hunger aufwachte und ich ihn anlegte, war er so ungeduldig auf die Milch erpicht, dass er schnell losbrüllte, weil sie bei mir nicht schnell genug floss. Dann brach mir der Schweiß aus und der Satz des Gynäkologen schoss mir wieder durch den Kopf. Und aus war es mit dem Stillversuch. Darius schrie und ich war kreuzunglücklich und fühlte mich nicht nur hilflos, sondern auch noch als schlechte Mutter.

Und wieder waren es die Hebammen, die mir halfen. Sie erklärten mir, dass Darius auch dann, wenn ich ihn richtig angelegt habe, erst etwas länger saugen müsste. Das sei im Prinzip bei allen Kindern so, aber in meinem Fall dauerte es eben noch ein bisschen länger. Und dass mein Kleiner diese Anstrengung bei seinem ungeduldigen Hunger nicht aufbringen könne. Deshalb sollte ich ihn schon bei den allerersten Anzeichen seines Wachwerdens, also noch bevor er richtig wach war, anlegen. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass mein Baby bereits im Halbschlaf saugen würde, habe ich das dann so gemacht. Und siehe da – es funktionierte. Sobald ich den Warzenhof zwischen meinem Daumen und Zeigefinger nahm und damit über sein Mündchen strich, „dockte“ mein Kleiner an und saugte automatisch.

Von Stillmahlzeit zu Stillmahlzeit wurde ich immer sicherer, sodass ich mir zutraute, zwei Tage später nach Hause zu gehen. Noch am gleichen Tag unserer Rückkehr kam dann meine Nachsorgehebamme, die ich schon vor der Geburt vorsorglich gefunden hatte. Sie lobte mich sehr, dass der Kleine und ich das Stillen so gut hinkriegen. Und auch ihre Prognose, dass ich mein Baby schon sehr bald nicht mehr im Halbschlaf werde anlegen müsste, stimmte genau. Darius hatte sehr rasch gelernt, dass meine Milch in sein Mündchen fließt, wenn er nur geduldig genug saugt.

Ich erzähle euch diese Geschichte, weil ich damit sagen will: Beim Stillen kommt es nicht so sehr nur auf eure Nippel an, sondern auf die richtige Stilltechnik. Dabei saugt das Kind nicht allein an den Brustwarzen, sondern sein Mündchen sollte den Warzenhof umschließen. Lasst euch das wie ich von euren Hebammen zeigen!    

Und noch was habe ich gelernt: Es wäre besser gewesen, wenn ich mich schon während der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet hätte. Dann hätte mich der Kommentar des Frauenarztes nicht so verunsichert. Es wäre auch besser gewesen, wenn ich mich schon während der Schwangerschaft mit meinem Problem an eine Hebamme gewandt hätte. Auch dann wäre diese Zeit wesentlich sorgenfreier verlaufen.    

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.