Ein Hämangiom, auch „Blutschwämmchen“ genannt, ist eine immer gutartige Wucherung von Blutgefäßen. Sie tritt bei Säuglingen häufig im Kopf- oder Halsbereich auf und zeigt sich meist als rötliche oder bläuliche Erhebung auf oder unter der Haut. Kindliche Hämangiome sind in den allermeisten Fällen nicht behandlungsbedürftig. Nur dann, wenn sie an ungünstigen Stellen liegen, oder sehr groß sind ist eine Therapie notwendig.

Als Lea geboren wurde, erschien ihr kleiner Körper noch rein. Doch schon bald entwickelte sich auf ihrem Rücken ein roter Fleck. Der vergrößerte sich im Laufe ihrer ersten Lebenswochen rasch und wurde allmählich erdbeerrot und leicht erhaben. Da hatte sich ein weiches Blutschwämmchen auf ihrem Rücken breitgemacht. Verständlich, dass Leas Eltern besorgt waren, denn das fast kreisrunde Gebilde wuchs ziemlich schnell.

Laut der AWMF-Leitlinie „Infantile Hämangiomeim Säuglings- und Kleinkindesalter“ gehört  Lea zu den 4 bis 5 Prozent der Säuglinge in Deutschland, bei denen in den ersten Lebenstagen oder -wochen ein Hämangiom erscheint. Andere Quellen geben bis zu 10 Prozent betroffene Babys im ersten Lebensjahr an. Bei extrem Frühgeborenen treten Blutschwämme deutlich häufiger auf (bis zu 20 Prozent). Mädchen sind von diesem Phänomen dreimal so häufig betroffen wie Jungen. Meistens bildet es sich im Gesicht, auf der Kopfhaut, im Nacken und auf der Brust aus, in seltenen Fällen treten Hämangiome auch in inneren Organen wie z.B. der Leber auf.

Selbstverständlich ist auch der Kinderärztin Leas Hämangiom auf dem Rücken von Lea aufgefallen. Sie beruhigte die Eltern jedoch, betonte noch einmal die Gutartigkeit solcher Tumore und riet – wie in den meisten Fällen üblich und ärztlicher Standard – erstmal zur weiteren Beobachtung nach dem Prinzip „abwarten und schauen“. Denn die Entwicklung von unkomplizierten Hämangiomen verläuft typischerweise in mehreren Phasen: Auf das Auftreten folgt das Wachstum, dann der Stillstand – und schließlich oft die spontane Rückbildung! Dazu später mehr. 

Wichtig zu wissen ist, dass Blutschwämmchen in der Regel keine gesonderte Pflege, dafür aber sehr guten Sonnenschutz benötigen. Aber der gilt natürlich immer und für die gesamte empfindliche Babyhaut! 

Nicht jedes Hämangiom ist harmlos. Es ist deshalb wichtig, dass ein Hämangiom ärztlich untersucht und der Verlauf beobachtet wird, damit eine notwendige Behandlung rechtzeitig eingeleitet wird, wenn sie notwendig werden sollte.

Denn sollte eine Behandlung doch nötig werden, so gilt es, den richtige Therapiezeitpunkt nicht zu verpassen.

Was sind Hämangiome der Haut?

Die obere und untere Hautschicht des Menschen wird immer von einem feinen Blutgefäße-Netz durchzogen, das die Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Manchmal bilden sich aus eben noch unbekannten Gründen in der oberen Hautschicht aber auch neue Blutgefäße, die dort dann als kutane Hämangiomen heranwuchern. Diese Blutschwämmchen befinden sich also auf der Hautoberfläche oder ganz dicht darunter. Sie sind in der Regel hell- bis dunkelrot, da sie aus dicht verzweigten Kapillaren (Blutgefäßen) bestehen. Diese Gebilde können flach oder erhaben sein und fühlen sich oft weich an. Ihre runde oder ovale Form ist meist klar abgegrenzt. Ein gutes Beispiel dafür ist das sogenannte Erdbeer-Hämangiom. Von so einem gewölbten, leuchtend roten Blutschwämmchen ist in unserem Beispiel auch Lea betroffen. Im Gesichtsbereich werden sie aus optischen Gründen als besonders störend empfunden, selbst wenn sie weder Auge noch Nase bedrängen.

Im Unterschied zu den oberflächlichen Blutschwämmen liegen subkutane Hämangiome deutlich tiefer unter der Haut. Aufgrund dieser Lage können diese Blutgefäße durch die Haut darüber bläulich durchschimmern. Sie fühlen sich meist auch fester an als oberflächliche Hämangiome, sind in ihrer Form meist weniger klar abgegrenzt und können größere, diffusere Bereiche umfassen. 

Und schließlich kann auch die Mischform eines kutanen und subkutanen Hämangioms auftreten. Das bedeutet: Ein solches Blutschwämmchen breitet sich sowohl auf der Hautoberfläche aus und wächst zugleich auch unter der Haut in die Tiefe. In dem Fall zeigt sich vom Aussehen her eine Kombination aus roten und bläulichen Tönen. Bei dieser Art gutartiger Wucherung von Blutgefäßen sind weiche, schwammige Bereiche als auch festere, tiefere Strukturen auszumachen. Die Form ist uneinheitlich mit variabler Tiefe und Größe, was ein gemischtes Erscheinungsbild ergibt.

Warum haben Kinder Hämangiome?

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Blutschwämmen auf oder unter der Haut sind noch unbekannt. Die Veranlagung dazu scheint ein Kind jedoch mit auf die Welt zu bringen, auch wenn die Veränderungen auf der Haut ganz überwiegend erst nach und nach deutlicher hervortreten. Neben der genetischen Disposition gehören Anomalien der Plazenta zu den Risikofaktoren. Frühgeborene sind häufiger betroffen. Prophylaktisch verhindern kann man Hämangiome nicht. 

Wie entwickeln sich Hämangiome?

Die Entwicklung eines Blutschwamms bei Neugeborenen verläuft typischerweise in mehreren Phasen. Diese Phasen umfassen das erste Erscheinen des Hämangioms, das Wachstum, den Höhepunkt und die Rückbildung. Hier ein detaillierter Überblick über diesen Prozess:

Erstes Erscheinen: Ein Hämangiom kann sich (in seltenen Fällen) gleich nach der Geburt zeigen, dann meist als zunächst blasser, rötlicher Fleck. In den allermeisten Fällen offenbart sich ein Blutschwämmchen erst in den ersten Lebenswochen des Kindes, etwa als zunächst kleine, rötliche Punkte oder flache Flecken. 

Das Wachstum (Proliferationsphase) beginnt im ersten Lebensmonat und kann sich bis zum neunten, selten auch bis zum 12. Lebensmonat hinziehen. Gerade am Anfang wächst ein Blutschwämmchen zum Erschrecken der Eltern relativ rasch. Häufig wird es auch etwas erhabener, kann sich intensiv röten und – je nach Tiefe und Lage – unterschiedliche Ausdehnung und Form haben. Das Hauptwachstum findet im 2. bis 5. Lebensmonat statt. Mit drei Monaten ist bereits 80% des Wachstums vollzogen. Bei subkutanen Hämangiomen dauert diese Phase oft länger als bei rein kutanen Hämangiomen.

Der Stillstand (Übergangsphase): Das Wachstum des Hämangioms hat seinen Höhepunkt erreicht, größer wird es nun nicht mehr. Jetzt folgt eine Phase der „Stabilität“, die Größe und das Erscheinungsbild verändern sich also erstmal nicht. Wie lange dieses Plateau dauert, ist von Kind zu Kind verschieden. 

Die Rückbildung (Involutionsphase) ist für Eltern eines betroffenen Kindes eine große Erleichterung. Denn nun beginnt das Blutschwämmchen, ganz von allein wieder kleiner zu werden. Dieses „Abnehmen“ kann im ersten Lebensjahr beginnen und sich bis ins Vorschul- oder Schulalter (3 bis 7 Jahre) hinziehen. Bei etwa 80 bis 90 % der betroffenen Kinder hat sich das Hämangiom zurückgebildet, wenn sie vier Jahre alt sind.

Während der Rückbildung ist wahrnehmbar, wie das Hämangiom zwar langsam, aber stetig schrumpft und auch verblasst. Das helle oder leuchtende Rot schwächt sich allmählich ab, ebenso wird das Hämangiom kontinuierlich kleiner. Diese Rückbildung verläuft bei kutanen Blutschwämmen meist schneller als bei den tieferliegenden subkutanen Tumoren. 

Spätestens bis zum Ende der Grundschulzeit wird sich dann zeigen, ob das Hämangiom vollständig verschwunden und das Hautbild völlig normal ist. Das trifft auf kleine unkomplizierte und oberflächliche Blutschwämmchen meistens zu. Nach größeren und komplizierteren Gebilden bleiben ohne Therapie in 55 bis 70 % z.B. noch kleine Verfärbungen, ein wenig überschüssige Haut oder leichte Narben zurück. Wenn das funktionell oder optisch störend ist, können medizinische Eingriffe notwendig oder wünschenswert sein.

Hämangiome (Blutschwämmchen) diagnostizieren und behandeln

Wie gesagt: In vielen Fällen ist keine Behandlung des Hämangioms erforderlich. Seine Entwicklung wird lediglich kinderärztlich beobachtet, was bei den Früherkennungsuntersuchungen, bei denen stets auch die Haut in Augenschein genommen wird, ohnehin erfolgt. 

Behandlungsbedürftig sind bis zu 15 Prozent der Kinder, die ein Hämangiom haben. Die Auswahl der geeigneten Therapie wird dabei von der Tiefenausdehnung des Hämangioms, der Lokalisation sowie von der Erfahrung der behandelnden Ärztinnen bzw. Ärzte bestimmt.

Hämangiome (Blutschwämmchen) im Gesicht

Hämangiome, die im Gesicht lokalisiert sind, erfordern meistens eine medizinische Therapie. Sind sie in der Nähe des Auges, der Nase, des Ohres oder der Lippen, so können sie die Funktion der Organe beeinträchtigen, wie das Sehen, die Nahrungsaufnahme, das Sprechenlernen, das Gehör, die Atmung oder das regelhafte Wachstum der Nase. 

Auch spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie die Ästhetik eine Rolle. Denn große, oder im Gesicht auftretende Hämangiome beeinträchtigen bei vielen Betroffenen das Selbstbewusstsein.

Um ein Hämangiom genauer zu bestimmen und auch Klarheit darüber zu gewinnen, ob eine medizinische Behandlung angezeigt ist, muss der Blutschwamm näher untersucht werden. Dafür gibt es an vielen Orten spezialisierte Hämangiom-Sprechstunden für Kinder, die an eine Klinik mit pädiatrisch-dermatologischem Zentrum angeschlossen sind. Manchmal sind diese Sprechstunden auch in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie angesiedelt, das variiert von Klinik zu Klinik. Dort kann auch u.a. die Tiefenausdehnung der gutartigen Geschwulst durch eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung  – in manchen Fällen auch kombiniert mit Farbdoppler – genau bestimmt werden.

Die Behandlung des Hämangioms mit Propranolol

„Für die Behandlung therapiebedürftiger lokalisierter Hämangiome stehen inzwischen weitestgehend nebenwirkungsfreie Behandlungsmethoden zur Verfügung“, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen im Netz: „Auf deren frühzeitigen Einsatz bei Bedarf sollte heute wirklich nicht mehr verzichtet werden. Ziel einer jeden Behandlung ist dabei nicht vorrangig eine sofortige Entfernung, sondern das Erreichen eines möglichst raschen Wachstumsstopps mit möglichst geringen Nebenwirkungen.“

Ältere Kinder werden frühestens vor Schuleintritt bei kosmetischen oder funktionellen Problemen behandelt, wenn sich das Hämangiom nicht von selbst zurückgebildet hat – was aber nur selten der Fall ist. Bei Neugeborenen und Kleinkindern ist eine frühzeitige Behandlung angezeigt, wenn das Hämangiom wie bei Lea schnell wächst und/oder lebenswichtige Funktionen bedroht bzw. bereits beeinträchtigt. Eine entsprechende Therapie sollte am besten zwischen der fünften Lebenswoche und dem fünften Lebensmonat starten, weil das Wachstum des Blutschwämmchens dann gut unterbrochen werden kann.

Der Einsatz des Wirkstoffes Propranolol ist die fachlich empfohlene Behandlungsform von Blutschwämmen bei reif geborenen, gesunden Säuglingen mit unauffälliger Familienanamnese.

Propranolol ist ein sogenannter Betablocker, er dient schon seit 1964 also dazu, zu hohen Blutdruck zu senken. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern. Aber jetzt bitte nicht erschrecken, liebe Eltern von betroffenen Kindern mit Blutschwamm! Denn Propranolol stoppt auch das Wachstum von Hämangiomen und kann diese schrumpfen lassen. Zugleich ist der Wirkstoff auch und gerade in der Anwendung gegen Blutschwämmchen bei Säuglingen inzwischen hervorragend wissenschaftlich untersucht, sehr sicher und nur selten von Nebenwirkungen begleitet.

Dass Hämangiome so auf Propranolol-Saft reagieren, hatte erstmals eine französische Ärztin im Jahr 2008 unabsichtlich entdeckt. Und zwar bei der Behandlung des erkrankten Herzmuskels eines Babys, das zufällig außerdem einen großen Blutschwamm im Gesicht hatte. Unter der Therapie mit Propranolol besserte sich nicht nur das kleine Herz, sondern auch das Hämangiom. 

Dieser Effekt des Wirkstoffes auf die Haut wurde dann nachfolgend in verschiedenen Ländern systematisch beforscht und bestätigt. In Deutschland kommt Propranolol-Lösung seit 2014 unter dem Medikamentennamen Hemangiol® zur Behandlung von infantilen Hämangiomen bei Säuglingen zum Einsatz. In einem entsprechenden Leitfaden für Angehörige und Pflegepersonen ist mit Zustimmung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht nur sehr genau die Anwendung beschrieben, sondern es wird auch auf mögliche Nebenwirkungen und den angemessenen Umgang damit hingewiesen. So kann etwa der Blutdruck bei einem behandelten Säugling leicht absinken, oder es können Schlaf- und Aufwachprobleme auftreten. Auch kühle Hände und Füße sowie Magen-Darm-Symptome werden manchmal beobachtet. Nebenwirkungen werden zwar in rund 30 % der behandelten Fälle beobachtet. Sie sind aber temporär, dosisabhängig und überwiegend harmloser Natur, das wird auch in der AWMF-Leitlinie betont. 

Als ernsthafte Nebenwirkung gilt dagegen, wenn das Propranolol eine bestehende Hypoglykämie (auch Unterzuckerung oder niedriger Blutzuckerspiegel genannt) verstärken oder Warnzeichen einer Hypoglykämie im Anmarsch verschleiern würde. Eine weitere Komplikation wäre eine Verengung der Atemwege, was das behandelte Baby schlechter atmen ließe – insbesondere bei bronchialen Infektionen im Winter. 

Natürlich werden ärztlicherseits zusammen mit den Eltern des betroffenen Säuglings immer sehr sorgsam der Nutzen gegen die Risiken von Propranolol abgewogen. 

Um mögliche Behandlungsrisiken auszuschließen werden Kinder vor Behandlungsbeginn intensiv untersucht, um sicherzustellen, dass das Herz gesund ist und keine anderer Grunderkrankung gegen die medikamentöse Therapie des Hämangioms spricht. 

Zum Therapiebeginn werden Kinder üblicherweise drei Tage in der Klinik stationär überwacht. Es wird beobachtet, wie das Kind auf Propranolol reagiert. Entsprechend wird der Wirkstoff zunächst sehr niedrig dosiert, man schleicht sich also quasi ein. Das Kind erhält den Arznei-Saft zweimal täglich – und unter sorgfältiger Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung und Blutzuckerwerten. Verträgt es Propranolol gut, wird die Dosierung meist schon am zweiten Kliniktag auf die Zieldosis gesteigert – jedoch weiterhin unter genauer Überwachung. Während des stationären Aufenthaltes erhält die erwachsene Begleitperson eine intensive Schulung, wie Propranolol dem Säugling zu verabreichen ist (Dosierung und Art der Vergabe kurz vor oder nach den Mahlzeiten). Verlaufen die Tage unauffällig, geht es nach Hause, wo die Behandlung ambulant fortgesetzt wird. Eine erste Kontrolle in der kinderärztlichen Praxis erfolgt nach etwa ein bis zwei Wochen. Die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt wird in der Folgezeit dann die jeweilige Dosis individuell anpassen. Die empfohlene Therapiedauer beträgt derzeit sechs Monate.

Anfänglich ist zu beobachten, dass das Wachstum des Hämangioms gestoppt wird. Im Laufe der Therapie verblasst das Hämangiom und ist meist nicht mehr zu sehen.

In etwa 15 bis 20 % aller Fälle wird nach dem Ende der Propranolol-Therapie ein erneutes Wachstum (Rebound) des Hämangioms beobachtet. Dieses ist jedoch in seinem Ausmaß begrenzt und zwingt nur selten zu einer Wiederaufnahme der Behandlung.

Behandlungsmöglichkeit des infantilen Hämangioms

Auch wenn heute Propranolol das Mittel der Wahl zur Therapie eines Hämangioms ist, gibt es Situationen, in denen andere Therapiemöglichkeiten genutzt werden. 

Bevor die Propranolol-Therapie üblich wurde, hatte man betroffene Säuglinge mit systemischen (oralen) Kortikosteroiden behandelt. Das wird heutzutage aufgrund der zu erwartenden Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen. Lediglich in seltenen Ausnahmefällen – z.B. wenn Propranolol nicht wirkt oder in unmittelbar lebensbedrohlicher Situation – wird diese Therapie noch mit eingesetzt. 

Selten kommen bei kleineren, auf der Haut wachsenden Hämangiomen Kältebehandlungen infrage. Bei dieser sogenannten Kryotherapie soll das weitere Wachstum eines oberflächlichen (kutanen) Blutschwämmchens durch kurzzeitige Vereisung gebremst werden.

Auch der Einsatz von speziellen Lasern ist durch die Erfolge der Propranolol-Therapie in den Hintergrund gedrängt worden. Das Lasern stellt lediglich eine Option bei Unverträglichkeit oder Wirkungsversagen von Propranolol dar.  

Sollte sich ein unkompliziertes Blutschwämmchen wider Erwarten nicht spontan selbst zurückgebildet oder später Restbestände auf der Haut hinterlassen haben, so können im älteren Kindesalter (etwa ab dem fünften Lebensjahr) eine Laserbehandlung oder auch ein operatives Verfahren (beides unter Vollnarkose) durchgeführt werden. 

Wie geht es den Eltern eines Kindes mit einem Hämangiom?

Obwohl infantile Hämangiome der Haut immer gutartig und in den allermeisten Fällen selbstrückbildend sind, können sie die Eltern eines betroffenen Kindes erheblich belasten. Das kann sich auf mehreren Ebenen zeigen:

Da wäre zunächst die emotionale Belastung: Betroffene Eltern sind oft von Angst und Sorge gequält über das Aussehen ihres Kindes sowie die mögliche Entwicklung des Hämangioms – besonders wenn es sich schnell vergrößert oder an prominenter Stelle wie im Gesicht oder am Kopf auftritt. Auch die Ungewissheit über den Verlauf und das mögliche Verschwinden des Hämangioms kann anstrengend sein. Fragen wie „Wird es größer?“ – „Wird es wieder verschwinden?“ – „Wird es Narben hinterlassen?“ _ „Wird mein Kind eine Operation brauchen?“ sind häufig. Zudem befürchten Eltern nicht selten, dass ihr Kind aufgrund eines sichtbaren Blutschwämmchens eine Stigmatisierung erfährt. Sie sorgen sich einfach, ob ihr Kind später im Kindergarten oder in der Schule gehänselt wird.

Auch die praktische Belastung ist für Eltern nicht unerheblich: Denn auf jeden Fall stehen regelmäßige Arztbesuche an – bei Kinderärzten, Dermatologen oder spezialisierten Kliniken. Das kann also zeitaufwendig und zuweilen auch stressig sein sowie möglicherweise Arbeitszeit und Urlaubstage kosten. Sind Behandlungen erforderlich, beispielsweise eine Propranolol-Therapie, so kann das ebenfalls zusätzliche Zeit und organisatorischen Aufwand erfordern – mal ganz abgesehen vom Aufgewühltsein, das damit ja auch meistens einhergeht. Und schließlich erfordert auch die ständige Überwachung des Hämangioms auf Veränderungen oder Komplikationen (wie Ulzerationen oder Infektionen) die ganze Aufmerksamkeit der Eltern. 

Nicht außer Acht gelassen werden darf auch die finanzielle Belastung: Auch wenn die meisten Behandlungen von der Krankenversicherung abgedeckt sind, können zusätzliche Kosten etwa für nicht erstattungsfähige Behandlungen, für Medikamente, Fahrtkosten zu Spezialisten oder ergänzende Therapien anfallen.

Oft vergessen wird, dass betroffene Eltern auch sozialen Belastungen ausgesetzt sein können. Zum Beispiel durch die Interaktion mit anderen: Eltern müssen dann nämlich oft auf Fragen oder auch Kommentare von Verwandten, Freunden und Fremden reagieren – was als unangenehm oder zumindest als anstrengend erlebt werden kann. Außerdem kann in manchen Familien mit vom Blutschwamm betroffenen Kindern auch der Bedarf an  Unterstützung durch Familie und Freunde steigen, insbesondere wenn zusätzliche Betreuung erforderlich ist. 

Und schließlich haben betroffene Eltern nicht selten auch langfristige Bedenken: Sie sorgen sich zum Beispiel über die späteren Auswirkungen des Hämangioms auf das Wohlbefinden und die Selbstwahrnehmung ihres Kindes, besonders wenn Narben oder kosmetische Veränderungen zurückbleiben sollten. Und sie haben oft Bedenken, ob das Hämangiom das normale Wachstum und die Entwicklung des betroffenen Bereichs beeinträchtigen könnte. 

Um all diese möglichen Belastung zu reduzieren, können Eltern zum Beispiel

  • die Hebamme ansprechen. Hebammen kümmern sich um das körperliche und emotionale Wohlergehen der Eltern. Sie leiten betroffene Eltern zu fachlich kompetenter medizinischer Hilfe und unterstützen die Eltern und das Kind auch während der Behandlungsdauer des Hämangioms.
  • Zudem ist es ratsam regelmäßige Gespräche mit dem Kinderarzt/ der Kinderärztin oder spezialisierten Mediziner*innen zu führen, um Fragen zu klären und die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
  • Hilfreich kann zudem sein:

• sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen, was sie emotional gut stärken kann und oft auch zu vielen praktischen Tipps führt.

• sich im Falle von erheblicher emotionaler Belastung professionelle psychologische Unterstützung zu holen.

Lassen wir hier nun Leas Mutter das letzte Wort: „Gute Information über Hämangiome sowie deren typische Verläufe und Behandlungen haben mir geholfen, meine Ängste zu reduzieren und realistische Erwartungen zu setzen. Ich habe für mich gelernt, das Blutschwämmchen nicht als Makel meines Kindes zu sehen. Und ich habe gelernt, das Hämangiom zu beobachten, ohne bei jeder Veränderung sofort Angst zu bekommen. Das war anstrengend. Aber seitdem kann ich gut mit dem Blutschwämmchen umgehen.“

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.