Meine Großmutter hat immer gesagt: „Jede Schwangerschaft kostet die Mutter einen Zahn“. Zum Glück gibt es heute keinen Grund mehr dafür, weil wir mittlerweile viel mehr über gesunde Zahnpflege und Prophylaxe-Maßnahmen wissen. Beides bleibt für dich in der Schwangerschaft aber besonders wichtig!

Heute sind werdende Mütter meist sehr gut mit Nährstoffen wie Vitaminen, Calcium und Mineralien versorgt. Das sind schon mal bedeutsame Bausteine für deine Zahngesundheit. Noch mehr zu wichtigen Nährstoffen in der Schwangerschaft findest du auf meinem Blog hier.

Trotz allerbester Ernährung bleibt es dabei: Dein Körper befindet sich während einer Schwangerschaft im Ausnahmezustand. Das gilt auch für deine Zähne und dein Zahnfleisch. Zum Beispiel sorgen die Schwangerschaftshormone dafür, dass deine Schleimhaut jetzt stärker durchblutet ist und das Gewebe lockerer wird. Diese Antwort deines Körpers ist gut für dich und dein Kind, kann jetzt aber auch schneller zu Zahnfleischbluten und -entzündung führen.

Die Achtsamkeit auf deine Zahngesundheit ist aber auch für dein Baby wichtig. Unerkannte Entzündungen können zu deinem Baby gelangen und so zu einer Frühgeburt führen.

Aber keine Sorge, denn du hast die Gesundheit deiner Zähne und deines Zahnfleisches auch in der Schwangerschaft selbst in der Hand, wenn du einige Regeln beachtest:

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1. Mindestens zweimal täglich gründliches Zähneputzen

Das sollte für dich weiterhin selbstverständlich sein. Benutze dabei ruhig flouridhaltige Zahnpasta, sie sorgt für kräftigen Zahnschmelz. Am besten verwendest du eine weiche Zahnbürste und putzt wie gewohnt die Hinter- und Vorderseiten der Zähne von „Rot“ (Zahnfleisch) nach „Weiß“ (Richtung Zahnkrone). Vergiss auch die Kauflächen nicht! Zur Reinigung der Zahnzwischenräume eignen sich Zahnseide und Interdentalbürstchen am besten, die es in verschiedenen Größen gibt.

Zur sorgfältigen Pflege der Mundhöhle gehört einmal täglich auch die Zungenreinigung nach dem Zähneputzen. Denn auch auf der rauen Oberfläche dieses Organs sammeln sich Nahrungsreste und Bakterien gern – mit negativen Folgen für die Zähne.

Benutze zur Zungenreinigung eine Zungenbürste und ggf. etwas Zahnpasta. Damit fährst du deine Zunge sanft von hinten nach vorn und zurück ab, damit sich der Belag samt allen Übeltätern lösen kann. Abschließend schabst du mit einem Zungenschaber von hinten nach vorn über die Oberfläche. Setze dabei möglichst weit hinten an, denn dort befinden sich die meisten Bakterien. Jetzt noch den Mund ausspülen – und fertig. 

Warum so viel Aufwand? Ganz einfach: Wenn du deine Mundhöhle stets gründlich reinigst, befreist du sie rundum von Bakterien. So verschwindet auch der bakterielle Zahnbelag (Plaque). Geschieht das nicht, so können die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte Zähne und Zahnfleisch angreifen. Die Folgen sind dann oft Karies oder Zahnfleischentzündungen, die sich zu einer Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) auswachsen können. Das könnte sogar das Risiko einer Frühgeburt erhöhen. Denn es wird vermutet, dass die Entzündungsstoffe, die dabei ständig in die Blutbahn eindringen, vorzeitige Wehen auslösen können.

2. Nach Erbrechen in der Schwangerschaft eine Mündspülung machen

Möglicherweise hast du gerade in den ersten Wochen deiner Schwangerschaft mit Übelkeit zu kämpfen. Wenn du dich dadurch übergeben musst, möchtest du möglichst rasch den unangenehmen Geschmack im Mund loswerden. Das ist verständlich – aber schnapp dir dafür bitte nicht die Zahnbürste! Denn die Magensäure, die deine Zähne beim Erbrechen umspült, greift den Zahnschmelz an. Wenn du die Zahnkronen nun auch noch „schrubbst“, würdest du dabei wichtige Kristalle vom Zahnschmelz wegbürsten. Verwende daher also lieber eine flouridhaltige Mündspülung, die den schlechten Geschmack rasch vertreibt.

3. Mit guter Ernährung gegen Karies & Co

Eine gesunde, ausgewogenen Ernährung in der Schwangerschaft fördert auch deine Zahngesundheit. Dazu gehören viel frisches Obst und Gemüse sowie ausreichend Vollkorn- und Milchprodukte. Damit tust du nicht nur dir und deinem Baby etwas Gutes, sondern auch allen „Organen“ in deiner Mundhöhle.

Schokolade, Kuchen und andere Schmankerl gehören dagegen nicht gerade zu den Top Ten der gesunden Lebensmittel. Aber gerade Schwangere kennen das – diese manchmal unbändige Lust auf Süßes! Du kannst ihr ruhig mal nachgeben, kein Problem. Ich rate dir jedoch, deinen Zähnen zuliebe nur einmal am Tag zu naschen und dir danach die Zähne zu putzen. Das ist auf jeden Fall gesünder als pausenlos nebenbei zu schnökern und die Zähne so einer unablässigen Belastung auszusetzen. Gleiches gilt übrigens auch für zuckerhaltige Getränke.

4. Zwei zahnärztliche Kontrollen in der Schwangerschaft

Zur Vorsorge in der Schwangerschaft gehören auch zwei Kontrolltermine in deiner Zahnarztpraxis. Idealerweise legst du diese in deinen vierten sowie achten Schwangerschaftsmonat.

Sollte bei dir noch eine notwendige längere „Sitzung“ auf dem unbeliebten Stuhl anstehen, so eignet sich hierfür das zweite Trimenon am besten. Denn es wird für dich angenehmer sein, wenn dir dabei noch kein kugelrunder Bauch im Wege ist. Falls dafür eine lokale Betäubung gesetzt werden soll, so ist das kein Problem: Sie schadet deinem Baby nicht.

Auch wenn du noch Amalgamfüllungen im Mund hast, musst du dir keine Sorgen machen: Sie sind grundsätzlich unbedenklich. Lass sie jetzt also nicht auszutauschen, denn dafür ist die Schwangerschaft kein guter Zeitpunkt. Du solltest in dieser Zeit jeden unnötigen Eingriff vermeiden. Das gilt natürlich auch für Röntgenaufnahmen.

5. Eine professionelle Zahnreinigung in der Schwangerschaft

Dabei werden weiche und harte Zahnbeläge entfernt und auch schwer zugängliche Stellen zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand gereinigt. Ist alles blitzeblank, werden die Zähne anschließend zur Glättung ihrer Oberflächen poliert, damit Bakterien hier künftig schlechter anhaften können. Zum Schluss folgt meist noch ein „Anstrich“ der Zahnkronen mit fluoridhaltigem Gel oder Lack zum Schutz des Zahnschmelzes.

Lange Rede – kurzer Sinn: Mit sorgfältiger Mund- und Zahnhygiene sorgst du letztlich nicht nur gut für dich, sondern auch für dein Baby!

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.