Keine Frage: Die Frauenmilch ist optimal auf die Bedürfnisse eines Babys ausgerichtet. Darüber hinaus stärkt das Stillen aber auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mutter sowie ihre Beziehung zum Kind. Doch für jede stillende Mutter kommt einmal der Zeitpunkt des Abstillens – für die eine früher, für die andere später. 

Bevor ich tiefer ins Thema Abstillen einsteige, möchte ich noch eines vorausschicken: Aus unterschiedlichen Gründen stillen manche Frauen ihre Babys gar nicht oder nur sehr kurz. Dafür hat jede Frau ihre ganz persönlichen Gründe. Diese Gründe gilt es zu respektieren, auch wenn man es selbst anders machen würde. Nicht oder nur kurz stillende Mütter sehen sich nämlich häufig immer noch negativen Kommentaren aus ihrem Umfeld ausgesetzt. Dabei sind es manchmal ausgerechnet stillende Mütter, die recht schnell mit abwertenden oder vorwurfsvollen Äußerungen zur Hand sind. Deshalb möchte ich hier an mehr Solidarität unter Müttern appellieren: Haltet zusammen! Zusammenhalt stärkt alle viel mehr als unnötige Scharmützel, Verurteilung oder das Entfachen von Schuldgefühlen. Denn eines ist gewiss: Eine „gute Mutter“ zu sein, hängt wahrlich nicht davon ab, ob das Baby mit der Brust oder dem Fläschchen ernährt wird! Wenn du mehr zu den Beweggründen wissen möchtest, die Mamas zu der Entscheidung führen, das Baby mit der Flasche zu ernähren, findest du hier den passenden Artikel.

Nun möchte ich mich der Stillbeziehung der Mutter zu ihrem Baby widmen, die – ebenfalls aus unterschiedlichen Gründen – irgendwann endet bzw. beendet wird. Und wie für den Aufbau der Stillbeziehung kann ich dir auch für das Abstillen nur raten: Lass dich am besten dabei begleitet! Denn es sollen sich ja beide möglichst wohlfühlen, die Mutter und das Kind. Wende dich also ruhig an deine Hebamme oder eine Stillberaterin. Du kannst für das Abstillen aber selbstverständlich auch mich in meiner online Beratung kontaktieren.  

Primäres oder sekundäres Abstillen 

Grundsätzlich unterscheidet man zunächst zwischen primärem und sekundärem Abstillen. Das richtet sich danach, ob die Mutter ihr Baby bereits gestillt hat oder eben nicht.

Primäres Abstillen bedeutet, dass die Mutter unmittelbar nach der Geburt das Stillen beendet, noch bevor sie damit überhaupt begonnen hat. Aber selbst wenn sie ihr Baby gar nicht erst angelegt, ist ihr Körper ja auf die Milchproduktion vorbereitet. Deshalb spricht man auch hier von Abstillen. 

Zum primären Abstillen können unterschiedliche Gründe führen – oder es auch erforderlich machen. In manchen Fällen kann eine Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht stillen, beispielsweise wenn eine bestimmte Erkrankung vorliegt oder sie ein Medikament einnehmen muss, das für das Kind unverträglich ist. In anderen Fällen kann Drogenmissbrauch Ursache dafür sein, dass eine Stillbeziehung nicht aufgebaut werden kann. Darauf verzichten Frauen auch, wenn das Kind unmittelbar nach der Geburt von anderen Eltern adoptiert werden soll. 

Manche Mütter haben sich aus unterschiedlichen Gründen aber auch von Anfang an gegen das Stillen entschieden. 

Sekundäres Abstillen nennt man das Beenden der Stillbeziehung, nachdem sie begonnen hat und das Kind gestillt wurde. Dabei sind auch die Gründe für das sekundäre Abstillen unterschiedlich. Manche Frauen beginnen z.B. wieder zu arbeiten und können ihre Erwerbstätigkeit nicht mit dem Stillen vereinbaren, obwohl ihnen das Mutterschutzrecht die Vereinbarkeit durch extra Pausenzeiten fürs Stillen oder Abpumpen ermöglichen möchte. Für andere Mütter fühlt sich das Stillen einfach nicht mehr stimmig an, und sie wünscht sich wieder mehr Unabhängigkeit. Darüber hinaus können auch gesundheitliche Faktoren wie gravierende Stillprobleme oder eine Erkrankung der Mutter ein sekundäres Abstillen begründen.

Sehr häufig kommt der Impuls zum Abstillen aber auch nicht von der Mutter, sondern vom Baby selbst. Es zeigt dann irgendwann an, dass es nicht mehr (voll) gestillt werden möchte. Vielleicht dreht es seinen Kopf zu Seite, drückt die Brust weg oder trinkt nur kurz und weniger intensiv. Oder es bekundet deutliches Interesse an dem, was bei seiner Familie so auf dem Teller liegt.

Medikamentöses oder konservatives Abstillen

Es gibt zwei Methoden, um das Stillen zu beenden: das medikamentöse unddas sogenannte konservative Abstillen. Die individuellen Gründe und Umstände entscheiden regelmäßig darüber, welche Art zum Tragen kommt – oder kommen muss. 

Medikamentöses Abstillen: Wenn medizinische Gründe vorliegen, die ein rasches Abstillen notwendig machen, so wählt man diese Methode. Wie der Name bereits verrät, werden der Frau dabei Tabletten ärztlich verordnet bzw. verabreicht. Diese enthalten den Wirkstoff Cabergolin oder den Wirkstoff Bromocriptin. Beides hemmt jeweils die Milchproduktion, indem die Ausschüttung des für sie verantwortlichen Hormons Prolaktin unterdrückt wird. In der Folge wird immer weniger Milch produziert. 

Die Dauer der Einnahme hängt vom Zeitpunkt ab, zu dem medikamentös abgestillt werden soll. Das kann von einer einmaligen Gabe unmittelbar nach der Geburt beim primären Abstillen bis zu 10 Tagen beim sekundären Abstillen reichen. Das medikamentöse Abstillen kann durch weitere Methoden (siehe unten) unterstützt werden. 

Für die betroffenen Mütter stellt sich dabei oft die Frage: Kann ich mein Baby noch anlegen, solange mein Körper noch Milch produziert, obwohl ich Abstilltabletten einnehme? Das solltest du mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt oder deiner Hebamme besprechen und hängt auch vom jeweiligen Präparat ab. Zumindest für den Wirkstoff Cabergolin gibt die Internetseite www.embryotox.degrünes Licht, er ist also fürs Kind sicher. Bei Embryotox handelt es sich um ein Institut der Berliner Charité für unabhängige Information zur Verträglichkeit von Arzneimitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit. 

Medikamente zum Abstillen können allerdings auch Nebenwirkungen hervorrufen, etwa in Form von Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen bis hin zu depressiver Verstimmung. Gleich nach der Geburt eingenommen, treten diese möglichen Nebenwirkungen nur selten auf. Stillt die Mutter bereits und nimmt zu einem späteren Zeitpunkt entsprechende Präparate ein, so werden häufiger Nebenwirkungen beobachtet.

Konservatives Abstillen ist die deutlich sanftere Methode, da sich Mutter und Kind einfach mehr Zeit nehmen können, in ihrem Tempo in die sich verändernde Situation zusammen reinzuwachsen. 

Sanft und behutsam – so geht’s prima

Ob der Impuls zur Entwöhnung nun von dir ausgeht oder von deinem Baby kommt – die sogenannte konservative Methode des Abstillens ist für beide Seiten im Idealfall ein behutsamer Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum hinzieht. Dabei geht es darum, ganz allmählich und nach eigenem Tempo die Stillbeziehung zu lösen und eine Stillmahlzeit nach der anderen aufzugeben, bis am Schluss nur noch eine verbleibt und auch diese schließlich beendet wird.  

Du kennst das Prinzip: Je häufiger du dein Baby anlegst, desto stärker wird die Milchproduktion in deiner Brust angekurbelt. Die Nachfrage des Kindes regelt also das Milchangebot. Dieses Wissen hilft dir beim Abstillen durch die Umkehrung des Prinzips: Eine geringere Nachfrage führt zu geringerer Milchproduktion. 

Das heißt im ersten Schritt der Entwöhnung: Lege dein Baby weniger an, indem du den Abstand zwischen den Stillmahlzeiten allmählich so verlängerst, dass schließlich eine komplette Stillmahlzeit ersetzt werden kann. An deren Stelle gibt es dann ein Fläschchen mit altersgerechter Säuglingsnahrung, falls das Baby noch ausschließlich Milchmahlzeiten bekommt. Um den sechsten Lebensmonat des Kindes herum tritt dann anstelle der zu ersetzenden Stillmahlzeit die Beikost. Allerdings benötigt das Baby besonders am Anfang der Beikostzeit noch sehr viel Milch. Deshalb wird es mit dieser Methode noch viele Monate dauern, bis du mit deinem Baby das Stillen endgültig beendet haben möchtest. Gibt es für dich Gründe, dass du das Stillen schneller aufgeben möchtest, benötigt dein Baby auch in dieser Zeit noch die Milchflasche als Hauptnahrung zusätzlich zur Beikost.

Wenn aber keine äußeren Notwendigkeiten vorliegen, kannst du dein Kind also so lange stillen, wie es sich für euch beide richtig anfühlt.

Damit sich die Milchproduktion reduziert, eignen sich unterstützend auch verschiedene pflanzliche Wirkstoffe. So hemmen beispielsweise Salbei oder Pfefferminze etwa die Bildung von Prolaktin. Dafür kannst du täglich zwei bis drei Tassen des jeweiligen Tees trinken. Salbei gibt es auch in Tabletten- oder Tropfenform. Auch andere Tees etwa aus Mönchspfeffer, Walnussblättern oder Hopfenzapfen eignen sich zur Unterstützung. Im Handel werden dazu bereits fertige Teemischungen als „Abstilltee“ angeboten, die einige der vorgenannten Kräuter enthalten. 

Daneben können auch homöopathische Globuli der Sorte Phytolacca aus der Kermesbeere beim Abstillen helfen. Lasse dich vor der Einnahme dazu jedoch von einer in Homöopathie erfahrenen Hebamme oder in der Apotheke beraten. 

Immer wieder wird abstillenden Müttern auch der Tipp gegeben, einen enganliegenden Büstenhalter zu tragen. Die dazugehörige Theorie: Durch den Druck, der so auf das Brustgewebe ausgeübt wird, würde sich die Milch aus Platzmangel zurückbilden. Hier rate ich jedoch zur Vorsicht! Wird die Brust zu sehr eingeengt, während der Körper noch einiges an Frauenmilch produziert, so kann es zu Milchstau mit verhärteten, schmerzenden Stellen an der Brust kommen. 

Unabhängig davon solltest du deine Brust im Abstillprozess ohnehin gut im Auge behalten. So bemerkst du rechtzeitig, falls sich ein Milchstau durch blockierte Milchgänge ankündigt. Fühlt sich deine Brust prall und/oder verhärtet an, wenn du die Stillmahlzeiten reduzierst, so lindern beispielsweise kühle Quarkwickel die Beschwerden. Außerdem kannst du deine Brust sanft ausstreichen, um sie zu entlasten und einem Milchstau vorzubeugen. Wichtig ist zu verhindern, dass sich daraus schlimmstenfalls eine schmerzende und behandlungsbedürftige Brustentzündung entwickelt. 

Berate dich bitte auch mit deiner Hebamme, bevor du eine pralle Brust abpumpst oder vom Baby abtrinken lässt. Denn beides wirkt ja erstmal anregend auf die Milchbildung und verzögert dadurch den Abstillprozess, während man ja das genaue Gegenteil erreichen möchte. 

Am häufigsten wird in einer Stillbeziehung die abendliche Mahlzeit an der Brust als letzte aufgegeben. Gerade vor dem Schlafengehen genießen Mama und Baby bei Schummerlicht noch gern ihr einzigartiges Beisammensein, das dem Kind so viel Sicherheit und Ruhe verleiht. Interessant daran: Eure Brust stellt sich auch darauf ein. Setzt euch hier also nicht unter Druck, sondern vertraut darauf, dass ihr beide zusammen den richtigen Zeitpunkt finden werdet, an dem auch diese Mahlzeit aufgegeben werden kann.    

Wenn du dein Kind früher oder später das letzte Mal zum Stillen angelegt hast, kann sich danach trotzdem noch restliche Milch in deiner Brust bilden. Das ist ganz normal, denn die Milchproduktion versiegt manchmal erst nach einigen Monaten ganz. Auch damit wird dein Körper übrigens sehr gut fertig, denn er baut diese Milch selbständig ab. Du musst also nichts weiter tun. Ist die Entwöhnung von der Brust behutsam und allmählich erfolgt, so kommt es nach dem Abstillen in der Regel auch nicht zu einem Milchstau. 

Loslassen fällt manchmal schwer

Das ganz allmähliche Beenden des Stillens ist also nicht nur gut für deine Gesundheit, sondern erleichtert Mutter und Kind auch den Ablösungsprozess. Für das Kleine ist es ein weiterer Schritt in die Selbständigkeit. Selber den Löffel in den Brei eintauchen und zum Mündchen führen können ist eine riesige Entwicklung! Andererseits hat dem Kind das Stillen nicht nur Nahrung, sondern stets auch Geborgenheit und Sicherheit gegeben. Deshalb hat es vielleicht gerade jetzt im Abstillprozess das Bedürfnis nach großer Nähe. Dann helfen besonders viel Kuscheln, Verständnis und Zuwendung. Vielleicht könnt ihr auch neue Rituale zu den Mahlzeiten einführen, bei denen du dein Kind weiterhin deine Liebe spüren lassen kannst. So machst du es ihm – und dir – einfacher, sich vom Stillen zu verabschieden.

Denn auch für dich als Mutter heißt es jetzt, dein Kind ein bisschen loszulassen. Manchen Frauen fällt es schwerer, dieses besondere Band der Stillbeziehung zum Kind nach und nach zu lockern und schließlich endgültig zu durchtrennen. So wie jener 28-Jährigen, die den Tag der allerallerletzten Stillmahlzeit ihres Kindes vor dem Schlafengehen immer wieder herausgezögert hatte, obwohl ihre Tochter mit ihrem Verhalten deutlich signalisierte: „Das ist für mich okay, Mama!“ So gab sich die Mutter eines Tages schließlich fest entschlossen einen Ruck, überließ Kind und Abendritual dem Vater und flüchtete selbst zu Freunden. Dort beruhigte sie sich mit einem Gläschen Wein und wartete auf den erlösenden Anruf. Doch der kam und kam nicht. Die Mutter war schon von wildesten Fantasien über ein untröstlich schreiendes Kind und einen völlig hilflosen Vater gebeutelt, als schließlich die Nachricht auf ihrem Smartphone eintraf: „Unsere Kleine ist ganz schnell und friedlich weggeschlummert – ich aber leider auch. Sorry! Ich hoffe, dir geht es gut?!“ Große Erleichterung, in die sich aber auch ein bisschen Abschiedstrauer und Unsicherheit mischten. Werde ich ohne das Stillen jetzt nicht mehr so wichtig sein für mein Kind? 

Ich kann euch versichern, liebe Mütter, ihr seid und bleibt auch nach dem Abstillen unverändert wichtig. Denn eure Liebe und Fürsorge fürs Kind, eure Freude, euer Verständnis und Einfühlungsvermögen wirken ja fort. Dieses einzigartige Band bleibt, auch wenn es keine Stillbeziehung mehr ist. 

Stillen und erneute Schwangerschaft

Einige Frauen werden wieder schwanger, noch während sie ihr erstes Kind stillen. Müssen sie es deshalb gleich abstillen? Die Antwort lautet: Nein. Allerdings stellt sich der weibliche Körper nun komplett auf die neue Schwangerschaft und nach der Geburt auf die Bedürfnisse des Neugeborenen ein. Dabei sorgt die hormonelle Umstellung dafür, dass während der Schwangerschaft manchmal weniger Milch fließt und sich auch ihr Geschmack verändert. Viele Noch-Stillkindern mögen sie dann vorübergehend nicht mehr so gern. Manche Kinder  beenden von sich aus die Mahlzeiten an der Brust. Ist das nicht der Fall, so kann eine Mutter auch beide Kinder stillen, also das ältere Kind und das neue Baby quasi gleichzeitig (sogenanntes Tandem-Stillen). In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an den dreijährigen Samuel, der seiner Mama erklärte, dass es für sie doch kein Problem wäre, ihn und das Baby zu stillen, schließlich hätte sie ja zwei Brüste. Ich bin immer noch beeindruckt von dem kleinen Kind, das diese mathematisch-logische Leistung bringen konnte, um seiner Mama den Mut zu geben, dass das Tandem-Stillen klappen wird.

Eine andere Frage ist, ob das dem älteren Kind sowie der Beziehung zwischen den Kindern guttut. Denn der oder die „Große“ zu sein mit ganz anderen Fähigkeiten und Möglichkeiten als ein Neugeborenes, ist ja wiederum auch etwas Schönes. Mütter, die also kein Tandem-Stillen praktizieren möchte, sollten möglichst deutlich vor der nächsten Geburt dem großen Stillkind signalisieren, dass es seine Liebe und Nähe nicht verlieren wird, auch wenn es die Brust dem Säugling vorbehalten bleiben soll.

Das ältere Kind soll nicht den Eindruck gewinnen, dass es „nur wegen dem neuen Baby“ nicht mehr an die Brust der Mutter darf. Das würde nämlich seine Eifersucht schüren.    

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.