Zahlreiche Babys kommen mit einer weißlich gelben, fettigen Schicht zur Welt, die ihre Haut noch ganz oder in Teilen bedeckt. Das ist die sogenannte Käseschmiere, auch Fruchtschmiere genannt (lateinisch Vernix caseosa). „Sieht ja aus wie in einen Cremetopf gefallen“, bemerkte mal ein Vater augenzwinkernd, als sein Sohn geboren wurde. Dieser Gedanke an ein Pflegeprodukt ist gar nicht so abwegig: Quasi als körpereigene Hautschutzcreme schützt die Käseschmiere die empfindliche Haut des Babys perfekt bereits im Bauch der Mutter und auch noch nach der Geburt. 

Niederländischen Wissenschaftler*innen war es vor einigen Jahren gelungen, im Labor eine Art synthetische Käseschmiere zur Pflege für stark beanspruchte Haut „nachzubauen“. Mittlerweile bietet die Kosmetikindustrie einige Pflegecremes für Erwachsene und auch Kinder an, die sich am Vorbild der „original“ Käseschmiere orientieren. Doch die Käseschmiere, die dein kleines Wunder im Bauch umgibt kann nicht so perfekt nachgebaut werden. Das menschliche Original ist besser als der synthetische Nachbau. Was die Käseschmiere für dein Baby alles kann möchte ich dir in diesem Beitrag erzählen.

Schutzschicht der Käseschmiere

Ausschlaggebend für die Namensgebung waren wahrscheinlich der weiße bis hellgelbe Farbton der Käseschmiere sowie ihre fettige, eher zähe, wachsähnliche Konsistenz. Beides zusammen mag die Namenserfinder*innen irgendwie an Käse erinnern haben. Wer jetzt jedoch daran denkt, eine bei der Geburt noch anhaftende Käseschmiere würde auch typisch nach Käse riechen – der irrt. Nein, diese Schutzschicht auf der Haut ist völlig geruchsneutral, auch wenn manche Mütter behaupten, nach ihrem Eindruck dufte sie herrlich zart nach Vanille bzw. Karamell. 

Die Käseschmiere besteht vor allem aus Wasser und einem Sekret, das Babys Talgdrüsen absondern, also Hautfett. Außerdem enthält sie abgestorbene Gewebezellen (sog. Epithelzellen) sowie abgesonderte Lanugohaare. Etwa ab der 14. bis 17. Schwangerschaftswoche beginnt sich die Vernix zu bilden und nach und nach aufzubauen. Dabei hat das Multitalent vor und nach der Geburt folgende vier Funktionen:

Hautschutz: DieKäseschmiere bewahrtdienoch sehr dünne und empfindliche Haut des Fötus davor, im Fruchtwasser aufzuweichen. Dabei wird sie von der Lanugo-Behaarung des Ungeborenen unterstützt. Die Käseschmiere bildet außerdem eine schützende Barriere vor bestimmten aggressiven Inhaltstoffen des Fruchtwassers. Nach der Geburt schützt die noch vorhandene Käseschmiere die Haut des Neugeborenen vor dem Austrocknen. Deshalb solltest du die Vermix auch nicht von der zarten Babyhaut abwaschen. Die Reste dieser besonderen „Creme“ ziehen innerhalb weniger Tage nach der Geburt von selbst in die Haut deines Kindes ein oder können sanft einmassiert werden. 

Gleitmittel: Auf dem Weg des Kindes durch den Geburtskanal reduziert die Käseschmiere die Reibung. So kann das Babys besser hindurchgleiten, was ihm seine „Reise“ auf die Welt erleichtert. 

Wärmisolierung: Hat das Baby das Licht der Welt erblickt, wirkt die (restliche) Käseschmiere wie eine Isolierschicht. So kann die Haut des Neugeborenen nicht so viel Wärme abgeben und ist vor Kälte besser geschützt. Auch aus diesem Grund ist es besser, die Käseschmiere nicht zu entfernen. 

Infektionsschutz: Käseschmiere ist ein wirkliches Multitalent und wirkt sogar antimikrobiell. Sie enthält nämlich einen hohen Anteil Vitamin E, der das Kind vor Viren, bestimmten Bakterien und Pilzsporen schützen. Genauer gesagt, hemmt die Vermix das Wachstum dieser Keime und wirkt deren Ausbreitung entgegen. Das funktioniert bereits während der Geburt und auch danach. 

Reifezeichen

Etwa in der 36. Schwangerschaftswoche besitzt der Fötus die maximale Menge an Käseschmiere. Anschließend „verbraucht“ die Haut des Kindes die Vermix zunehmend, sodass ihre Schicht dann beständig abnimmt. Das heißt erst einmal grundsätzlich: Je später ein Kind geboren wird, desto weniger Käseschmiere bringt es mit auf die Welt. So kann es auch gut ein, dass ein Baby gar keine Käseschmiere mehr besitzt. Das gilt vor allem für übertragene Kinder mit jedem Tag mehr über den errechneten Geburtstermin  hinaus. Dafür ist Babys Haut dann schon gut entwickelt. 

Umgekehrt sind Frühchen, die ab dem siebten Monat geboren werden, regelmäßig noch von einer dicken schützenden Vermix-Schicht umgeben. Die Funktionen der Käseschmiere als Wärmeisolierung und Infektionsschutz spielen jetzt für sie eine besonders wichtige Rolle. Bei den Frühchen gibt es jedoch Ausnahmen, zu denen ich gleich komme.

Vorher noch ein Hinweis: Die Menge der noch vorhandenen Käseschmiere beim Neugeborenen zählt zu den sogenannten Reifezeichen. Dabei handelt es sich um bestimmte Merkmale, die Auskunft über die Reife (Lebensfähigkeit) des Neugeborenen geben. Andere Reifezeichen sind beispielweise die Hautfarbe des Kindes, sein Gewicht oder die  Lanugo-Behaarung

Weitere Einflüsse 

Doch nicht allein der Zeitpunkt der Geburt steht im Zusammenhang mit der Menge noch vorhandener Käseschmiere bei Neugeborenen. Auch andere Faktoren bzw. Umstände haben darauf Einfluss:

• So sind z.B. Babys, die per Kaiserschnitt geboren werden, oft noch in eine ordentliche Vermix-Schicht eingehüllt. Warum? Weil diesen Kindern der Weg durch den Geburtskanal fehlt, bei dem sich die Käseschmiere als Gleitmittel auch abreibt.

• Kommt ein Kind extrem zu früh – also noch vor der 28. Schwangerschaftswoche – zur Welt, so fehlt ihm die schützende Schicht oft ganz bzw. weitgehend. Das liegt daran, dass die entsprechenden Zellen zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft noch unreif sind und deshalb noch nicht in großer bzw. ausreichender Menge Käseschmiere produzieren können. Wie erwähnt hat sich erst um die 36. Schwangerschaftswoche die maximale Menge an Käseschmiere auf der Haut des Ungeborenen ausgebildet. 

• Eine entscheidende Rolle bei der Produktion von Käseschmiere spielen ja die Talgdrüsen des Kindes. Also beeinflussen auch deren Anzahl und Beschaffenheit die Menge der vorhandenen Vermix.  

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.