Die weiblichen Brüste sind einzigartig. Von Frau zu Frau ist kein Paar wie ein anderes. Und auch innerhalb eines Brustpaares zeigen sich meist kleine Unterschiede in Form und Größe. Es kann sogar sein, dass die eine Brust keck nach oben schaut, während sich die andere sanft nach vorne rundet. Aber nicht das allein macht die Brüste so bemerkenswert, dass sie seit der Antike bis heute häufiges Motiv in künstlerischen Darstellungen sind.

Vor allem steht die weibliche Brust (lateinisch: Mamma) für sinnliche Weiblichkeit und nährende Mutterschaft. Denn das Multi-Talent kann beides: Die Brust kann die Frau (und den Mann) in sexuelle Erregung versetzen – und sie kann einem Baby obtimal zusammengesetzte Milch spenden. Diese Fähigkeiten liegen an ihrem Aufbau, der unabhängig von der Körbchengröße und ästhetischen Erscheinungsform der Brust immer gleich ist.

Anatomie und Funktionen der Brust

Beim menschlichen Körper unterscheidet man u.a. zwischen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen. Primäre Geschlechtsorgane dienen direkt der Fortpflanzung. Bei der Frau sind das etwa die Vagina oder die Gebärmutter (beim Mann der Penis und die Hoden).

Die weibliche Brust gehört nun zu den sogenannten sekundären Geschlechtsmerkmalen. Diese entwickeln sich in der Pubertät und vervollständigen das geschlechtliche Erscheinungsbild als Frau beziehungsweise Mann. Auch sekundäre Geschlechtsmerkmale stehen in Zusammenhang mit der Fortpflanzung, dienen ihr jedoch nicht direkt.

Bei Mädchen beginnt die sichtbare Entwicklung der Brüste zwischen dem neunten und 13. Lebensjahr und ist mit 16 bis 18 Jahren abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt am Ende der Pubertät sind die Milchdrüsen bereits komplett angelegt.

Schauen wir uns unsere Brüste einmal näher an. Äußerlich wölbt sich das Paar nach vorn und prägt die Silhouette unseres weiblichen Körpers entscheidend mit. Die längliche Furche zwischen den beiden „Halbkugeln“ wird Busen genannt, der unser Dekoltee noch attraktiver macht.

Relativ mittig auf unserer Brust sitzt die jeweilige Brustwarze im sie umgebenden Warzenhof. Auch die Form der Brustwarzen unterscheidet sich von Frau zu Frau. Manche haben große Brustwarzen, andere haben kleine. Manche „Nippel“ ragen weit hervor, andere sind so flach wie der Warzenhof oder sogar etwas nach innen eingezogen. Aber keine Angst: Ein Baby lässt sich mit jeder Form der Brustwarze stillen!  

Das Schöne an den Brustwarzen ist außerdem: Sie sind meist sehr berührungsempfindlich und werden von vielen Frauen als erogene Zone geschätzt. Das kommt nicht von ungefähr, denn auch durch die Stimulierung der Brustwarzen wird das luststeigernde Hormon Oxytocin ausgeschüttet.

Die weibliche Brust sitzt auf dem großen und kleinen Brustmuskel in Höhe der dritten bis sechsten Rippe des Brustkorbs. Das Herzstück im Inneren der Brust bildet die Brustdrüse. Sie ist von Fett- und Bindegewebe, Nervenbahnen, Lymph- und Blutgefäßen umgeben. Die Brust selbst besitzt also keine Muskelmasse. Für ihre Form und Festigkeit sorgt das Bindegewebe.

Die Größe der Brust hängt wiederum von der Menge des vorhandenen Fettgewebes ab. Das wird von unseren Erbanlagen gesteuert. Allerdings: Wenn du deutlich an Gewicht zulegst oder abnimmst, so wirkt sich das jeweils auch auf den Umfang deiner Brüste aus. Daneben wird ihre Größe – vorübergehend – auch durch den monatlichen Zyklus und eine Schwangerschaft beeinflusst. Vor allem ist für dich aber wichtig zu wissen: Die Größe einer Brust hat nichts damit zu tun, wie „gut“ eine Frau stillen kann!

Wie funktioniert das nun mit dieser besten Nahrungsquelle von allen? Ganz einfach – das Brustdrüsensystem produziert nach der Geburt Milch für die von der Natur vorgesehene Aufgabe der Brust: die Ernährung des Babys. Damit nun Milch in das kleine Mündchen fließen kann, sind rund um die Brustwarze sternförmig Milchgänge angeordnet. Sie alle münden in einem größeren Gang in der Brustwarze. An diesen Milchgängen sitzen wie Blätter an Zweigen zahlreiche sogenannte Drüsenläppchen, die mit Milchbläschen ausgestattet sind. Darin findet die eigentliche Milchbildung statt.

Die Brust im Zyklus

Während deines monatlichen Zyklus bereitet sich deine Brust darauf vor, Milch zu produzieren, damit du stillen könntest. Zum Beispiel weiten sich nach dem Eisprung die Milchgänge, und das Gewebe um die Drüsenläppchen schwillt an. Gleichzeitig sorgt der Anstieg der Hormone Östrogen und Progesteron dafür, dass das Brustdrüsengewebe verstärkt Wasser einlagert. Die feinen Blutgefäße werden jetzt stärker durchblutet.

Durch diese Veränderungen wird die Brust kurz vor der Blutung vorübergehend etwas größer und fester. Möglicherweise hast du jetzt auch das Gefühl, dass deine Brüste etwas spannen. Manche Frauen fühlen die Veränderungen im Gewebe auch als uneben oder knotig. Wenn dann die Regelblutung einsetzt, geht die Schwellung wieder zurück, da das eingelagerte Wasser ausgeschwemmt wird. Auch das Brustgewebe wird dann wieder weicher.

Die Brust während der Schwangerschaft

Wird eine Eizelle befruchtet, so nistet sie sich in der Schleimhaut der Gebärmutter (Link zum Text „Die Gebärmutter“) ein. Hat sich dann zusätzlich die Plazenta (Link zu Text „Die Plazenta: Ein richtiges Wunderwerk“) gebildet, so bereitet sich die Brust intensiv darauf vor, für die Ernährung des Babys Milch zu produzieren. Jetzt nehmen die Brüste an Umfang zu. Bis zum Ende deiner Schwangerschaft können das bis zu zwei Körbchengrößen sein. Außerdem werden die Brüste empfindlicher – vielleicht spannen und kribbeln bzw. jucken sie auch. Dagegen hilft z.B. eine sanfte Massage mit Lavendel- oder Mandelöl. Achte bei deinem BH jetzt besonders darauf, dass er gut sitzt und stützt, aber vor allem deine Brust nicht drückt oder einengt.

Viele Frauen bemerken bereits Veränderungen ihrer Brüste, noch bevor sie wissen, dass sie schwanger sind. Denn ihre Hormone arbeiten ab dem ersten Tag der Schwangerschaft auf Hochtouren. Östrogen, Progesteron und das Schwangerschaftshormon HPL (Humanes-Plazenta-Laktogen) sorgen dafür, dass sich dein Brustdrüsengewebe in der Schwangerschaft weiterentwickelt und spürbar anwächst. Dabei verdrängt es mehr und mehr das Fett- und Bindegewebe. In den Drüsenläppchen werden die Zellen auf die Milchproduktion vorbereitet. In der zweiten Schwangerschaftshälfte ist die Brust dann soweit entwickelt, dass die Mutter bereits stillen könnte, falls das Baby zu früh geboren wird.

Es kann auch vorkommen, dass noch vor der Geburt gegen Ende der Schwangerschaft bereits etwas Vormilch (Kolostrum) aus deiner Brust läuft.

Vielleicht fühlt sich deine Brust in der Schwangerschaft auch harter oder knubbeliger als sonst an. Einige Frauen denken dann gleich angstvoll an Brustkrebs. Doch da kann ich dich beruhigen: Daran sind regelmäßig nur die Veränderungen an deinem Brustdrüsengewebe „schuld“. Wenn du jedoch unsicher bist, so sprich mit deiner Hebamme oder deiner Ärztin/deinem Arzt über deine Befürchtung.

Du wirst in der Schwangerschaft auch feststellen, dass die Brustwarze mit dem Warzenhof größer und dunkler werden. Das hat sich die Natur prima ausgedacht: Die stärkere Pigmentierung soll es dem Kind nach der Geburt leichter machen, seine Nahrungsquelle zu finden. Darüber hinaus produzieren bestimmte Drüsen am Warzenvorhof eine fettige Substanz und sondern diese ab. Das dient dazu, die Brustwarzen geschmeidig zu halten und darauf vorzubereiten, dass sie beim Stillen beansprucht werden. Wobei ich nicht häufig genug betonen kann: Das Kind sollte beim Trinken nicht allein an der Brustwarze saugen, sondern zugleich immer einen Teil des Warzenhofs mit im Mund haben!

Der Milchfluss

Während der Schwangerschaft ist auch der Prolaktin-Spiegel stark angestiegen. Dieses Milchbildungshormon wird vor der Geburt noch vom Östrogen und Progesteron etwas „ausgebremst“ – aber nach der Geburt regt es zusammen mit dem Hormon Oxytocin den Milchfluss und die Milchabgabe „ungebremst“ an.

So kann das Kind in seinen ersten Lebenstagen die reichhaltige Vormilch (Kolostrum) trinken, die es rundum gut versorgt. Regelmäßiges Anlegen und kräftiges Saugen des Babys fördern dann zwei bis vier Tage nach der Geburt den sogenannten Milcheinschuss. Das heißt: Die „eigentliche“ Muttermilch beginnt zu fließen. Das kann sich bei der Mutter unterschiedlich bemerkbar machen: Zum Beispiel kann unkontrolliert Milch auslaufen. Meist schwellen auch die Brüste an und können sich vorübergehend prall oder auch hart anfühlen. Das vergeht jedoch regelmäßig nach ein bis zwei Tagen.

Fühlt sich deine Brust Wochen oder gar Monate nach der Geburt wieder geschwollen an, ist hart oder schmerzt, so kann es sich um einen Milchstau handeln. Die harten Stellen können auch gerötet oder deutlich wärmer sein. Vielleicht empfindet die Mutter auch das Ansaugen des Babys als schmerzhaft. Eine mögliche Ursache kann dafür sein, dass sich in den Milchgängen Milch angesammelt hat, die nicht abfließt bzw. nicht abfließen kann. Ein Milchstau ist aber oft auch ein Zeichen dafür, dass die Mutter zu viel Stress und zu wenige Erholungsphasen bzw. keinen ausreichenden Schlaf hat und es – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht richtig „läuft“.

Mit ein paar „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ kannst du jedoch gut Abhilfe schaffen. Der erste Hebammenrat dabei heißt: stillen, stillen, stillen. Lass dein Baby die Milchansammlung wegtrinken. Wärme vor dem Stillen in Form von Kirschkernkissen, warmen Wickeln oder Waschlappen auf den Brüsten regt den Milchfluss an. Du kannst die harten Stellen auch sanft massieren oder ausstreichen, während dein Kind trinkt. Nach dem Stillen unterstützt Kälte deine Brust. Das können ein Cool Pack, Quarkwickel oder auch ein Kohlblatt sein. Außerdem sollten jetzt Ruhe und Selbstfürsorge großgeschrieben werden.

Wichtig ist jetzt schnelles Handeln, damit aus einem Milchstau keine ärztlich zu behandelnde Brustentzündung wird. Deine Hebamme kann dir in jedem Fall weiterhelfen, wenn du Probleme mit deiner Brust oder dem Stillen hast. Gerne kannst du auch mich in meiner Onlineberatung kontaktieren.

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.