Wusstest du schon, dass es über 200 Virenarten gibt, die uns eine Erkältung bescheren können? Besonders der Herbst und Winter gelten als Erkältungszeit. Es ist zwar nicht die Kälte selbst, die eine Erkältung verursacht, aber bei kalter Luft haben Viren leichteres Spiel, sich auf unseren Schleimhäuten auszubreiten. Da machen sie auch vor Kindern nicht Halt.

Was begünstigt eine Erkältung?

Das mögen Viren: Während der Heizperiode halten wir uns vermehrt in der Wohnung auf. Was Erkältungen dann begünstigt, sind schlecht belüftete Räume, in denen sich virale Erreger leider wunderbar ausbreiten können. Das tun sie zum einen durch die Luft in winzigen Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen herumwirbeln (Tröpfcheninfektion), zum anderen über Handkontakt, also etwa beim Händeschütteln oder Anfassen von Türgriffen (Schmierinfektion). 

TIPPS: DieRäume, in denen ihr euch mit eurem Kind aufhaltet, benötigen regelmäßig einen Luftaustausch (einige Minuten Stoßlüften). So werden die Viren nach draußen befördert. Außerdem ist frische Luft feuchter und kann deshalb die Heizungswärme besser aufnehmen als verbrauchte Luft.Achtet nur darauf, dass euer Kind während des Lüftens nicht im Durchzug ist. Außerdem: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen! Wenn ihr von draußen nach Hause kommt, nach jedem Naseputzen usw. Viren mögen Seife nämlich gar nicht. 

Kalte Füße oder ein ausgekühlter Kopf machen uns ebenfalls anfälliger für eine Infektion. Dann drosselt der Körper nämlich die Durchblutung, um einen weiteren Verlust von Wärme zu verhindern. Dabei ziehen sich die Gefäße der Nasenschleimhaut zusammen, was sie trocken werden lässt, Erkältungsviren aber wiederum freut. 

TIPP: Es lohnt sich also, auch vorbeugend stets auf warme Füße und einen warmen Kopf zu achten. Auch beim Baby!

Der Nestschutz schützt: Letztlich ist jedoch kein Familienmitglied vor einer Infektion gänzlich gefeit, auch nicht das jüngste. Das trifft besonders auf Familien zu, in denen ältere Geschwisterkinder aus dem Kindergarten oder der Schule in der kalten Jahreszeit öfter mal Virenpakete mit nach Hause bringen. Zwar kommen reife Babys mit dem sogenannten Nestschutz auf die Welt. Das heißt: Die Mutter hat dem Kind über die Nabelschnur Antikörper mit auf die Welt gegeben. Damit ist es in den ersten Lebenswochen und -monaten gegen Krankheitserreger gewappnet. Dieser Nestschutz nimmt jedoch nach etwa drei Monaten ab. 

Bis zu zehn Infekte pro Jahr gelten in den ersten beiden Lebensjahren bei Kindern noch als normal. Dennoch leiden Eltern mit, wenn sie sehen, wie ihr Baby mit einer verstopften Schnupfennase kämpft, die ihm das Atmen und Trinken erschwert. Oder wenn nerviger Husten das Kleine quält. Das einzig Positive daran ist die Tatsache, dass jeder Infekt das Immunsystem deines Babys trainiert und seine Abwehrkräfte stärkt. Das ist nämlich der beste Schutz vor erneuten Infektionen. 

Wie macht sich eine Erkältung bemerkbar?

Du wirst feststellen, dass ein erkältetes Baby mehr weint, vielleicht auch gerade nach dem Trinken. Insgesamt ist das Kind unruhiger (auch im Schlaf) und wirkt unzufrieden. Manche Babys verweigern auch das Stillen. 

Säuglinge atmen in ihren ersten Lebensmonaten vorwiegend durch die Nase. Ist sie verstopft, weil die Schleimhäute angeschwollen sind, so ist es für dein Baby kein Vergnügen, beim Saugen immer wieder nach Luft schnappen zu müssen. 

Wenn dein Kind schnupft, niest oder hustet, stößt es dabei ein wässriges Sekret aus. Dieses kann im weiteren Erkältungsverlauf noch dickflüssiger werden. Fieber als Schutzreaktion des Körpers signalisiert, dass das Zwerglein gegen eine Infektion kämpft. Nicht vergessen, jetzt regelmäßig die Temperatur des Babys zu messen. Charakteristisch für erkältete Babys sind auch gerötete Augen. Und wer sich so kränklich fühlt, hat jetzt auch ein stärkeres Bedürfnis nach der tröstenden Nähe von Mama und Papa. 

Falls du beobachtest, dass dein Baby sich auffällig oft ans Ohr fasst, daran zieht oder seinen Kopf hin und her dreht, dann könnte sich möglicherweise zusätzlich eine schmerzhafte Mittelohrentzündung eingestellt haben. In dem Fall sind Viren oder zusätzlich angesiedelte Bakterien bis ins Ohr gewandert. Über das Maß einer „normalen“ Erkältung hinaus gehen auch eine Nebenhöhlenentzündung oder Mandelentzündung. Mit solchen Symptomen gehört das Kind auf jeden Fall in ärztliche Hände. Lies dazu auch weiter unten den Abschnitt „Wann in die Kinderarztpraxis?“.

Was schafft Linderung? 

Das Wichtigste für ein erkältetes Kind ist: viel Ruhe, viel Trinken, viel frische Luft

• Jetzt ist wahrlich nicht die richtige Zeit für größere Ausflüge, Besuche machen oder empfangen oder sonstige Unternehmungen. Stattdessen braucht der geschwächte kleine Körper viel Ruhe

• Du weißt, dass sich Krankheitserreger auf trockenen Schleimhäuten leichter ausbreiten können. Dagegen machen es gut durchblutete und feuchte Schleimhäute den Viren schwerer, in den Körper einzudringen. Sorge also für viel frische Luft (Lüften!), sie fördert die Durchblutung der Schleimhäute, hält sie feucht und sorgt für geringeres Anschwellen. Dann fällt deinem Kind auch das Atmen leichter. Wenn dein Baby kein Fieber (über 38 Grad) hat, drehe also ruhig draußen für etwa 30 Minten eine Runde mit dem Kinderwagen. Vielleicht kann dein Baby auch – warm eingepackt – draußen auf dem Balkon oder der Terrasse für etwa eine halbe Stunde ein (Mittags)Schläfchen halten. 

• Auch eine höhere Luftfeuchtigkeit im Zimmer hilft den Schleimhäuten und dem Kind beim Atmen. Dafür musst du kein „Tropenklima“ erzeugen. Ein paar feuchte Tücher über der (laufenden) Heizung oder an Babys Schlafplatz leisten da gute Dienste. Gleiches gilt für eine Schale mit Wasser, die zum Verdunsten auf Schrank oder Tisch stehen kann. Wer mag, kann sich auch einen Luftbefeuchter oder Wasserverdunster für die Heizkörpern zulegen.

• Auch viel Trinken hält die Schleimhäute feucht und hilft, das Nasen- und Rachensekret zu verflüssigen, damit es besser abzufließen kann. Lege dein Baby daher jetzt öfter zum Stillen an oder biete ihm zusätzlich Wasser oder ungesüßten Fencheltee an.

Zum Schlafen sorgt ein kleines Keilkissen oder ein entsprechend gefaltetes Handtuch unter dem Kopf bzw. Oberkörper des Kindes dafür, dass es in leicht schräger Position liegt. Das begünstigt eine leichtere Atmung. Das Baby kann so auch festsitzenden Schleim besser abhusten. Ich kenne eine Mutter, die für eine schrägere Lage auch einen Aktenordner unter der Matratze platziert hat. 

• In manchen Fällen können auch homöopathische Mittel dem Kind helfen, die Erkältung besser zu bewältigen. Lass dich bei der Auswahl der Mittel, zur Potenz und zur Dosierung aber unbedingt fachlich beraten! Zum Beispiel von deiner Hebamme, deinem Kinderarzt, in der Apotheke sowie von dazu ausgebildeten Fachleuten.

Freie Nase 

Um deinem Baby das Atmen und Trinken zu erleichtern, ist es wichtig, dass die kleine Schnupfennase möglichst frei ist. Hier helfen verschiedene Mittel und Methoden: 

Zu den bewährten Hausmitteln gehören etwa ein paar Tropfen Muttermilch, die du in die Nasenlöcher deines Kindes gibst. Das wirkt abschwellend auf die Schleimhaut und sorgt natürlich für Feuchtigkeit. 

Viele Mütter schwören auch auf die heilsamen Kräfte der Zwiebel. Dafür schneidest du einfach eine Zwiebel in kleine Stücke, evtl. erwärmst du sie leicht (z. B. auf die Heizung legen) und füllst sie in ein Baumwollsäckchen/-tuch, das du zubindest. Alternativ geht auch ein Babysöckchen. Das Zwiebelsäckchen hängst du dann in die Nähe des Schlafplatzes deines Kindes – jedoch nicht in die Nähe seines Kopfes! Die austretenden ätherischen Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass der Schleim flüssiger wird und besser abfließen kann. Alternativ kannst du auch die (warmen!) Füßchen deines Babys mit einer aufgeschnittenen Zwiebel einreiben, Söckchen drüberziehen und die Inhaltsstoffe der Zwiebel arbeiten lassen.

ACHTUNG – keine ätherischen Öle verwenden! Bei Babys oder Kleinkindern soll auf ätherische Öle (z. B. Minze) gänzlich verzichtet werden. Das gilt auch für Erkältungsmittel, die ätherische Öle enthalten. Sie können die Kinder in eine lebensgefährliche Situation bringen: Ätherische Öle können nämlich in dieser Altersgruppe einen Stimmritzenkrampf mit Atemstillstand verursachen. 

Zum Abschwellen der Schleimhäute kannst du auch spezielle Nasentropfen auf Kochsalzbasis für Babys verwenden. Lasse dich dazu jedoch von deiner Kinderärztin/deinem Kinderarzt beraten. Manche Nasentropfen können nämlich – trotz der Empfehlung für Babys – bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten und/oder lassen sich trotz Pipette schwer dosieren. Vielleicht hast du in deiner Hausapotheke für Kinder auch eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung. Damit kannst du die Nase deines Babys spülen, die Kochsalzlösung lässt sich außerdem zum Inhalieren verwenden.

Da Babys ja noch nicht selbst schnauben können, kannst du einen speziellen Nasensauger für Babys benutzen, um das Nasensekret zu entfernen. Die Sauger funktionieren unterschiedlich (z. B. manuell oder elektrisch). Alternativ geht auch ein zusammengedrehtes weiches Papiertaschentuch, das du vorsichtig in den vorderen Teil des kleinen Nasenloches einführst und mit einer sanften Drehbewegung wieder herausholst. 

ACHTUNG – keine Wattestäbchen verwenden! Niemals solltest du bei deinem Baby das Nasensekret mit einem Wattestäbchen entfernen. Sollte sich das Kleine dabei nämlich unerwartet ruckartig bewegen oder den Kopf drehen, ist damit die Gefahr groß, dass es sich verletzt.

Um zu verhindern, dass Babys Näschen wund wird, kannst du es mit Vaseline oder einer Wundschutzcreme versorgen. Die trägst du einfach rund um das kleine Näschen auf.

Wann in die Kinderarztpraxis?

In den meisten Fällen ist eine Erkältung harmlos und lässt sich erfolgreich in Eigenregie behandeln. Nach etwa sieben bis 14 Tagen sollte der Spuk vorüber sein oder sich das Krankheitsbild zumindest deutlich gebessert haben. 

Ist dein Baby jedoch noch jünger als sechs Monate, so sollest du es in jedem Fall in deiner Kinderarztpraxis vorstellen. Zögere außerdem nicht, ärztlichen Rat einzuholen, wenn du etwa folgende Symptome bei deinem Kind beobachtest: 

• Dein Kind ist auffallend schlapp bzw. teilnahmslos.

• In kurzer Zeit stellt sich hohes Fieber (ab 39 Grad bei Kindern die älter als 4 Monate sind) ein. 

• Nach 8 bis 10 Tagen ist immer noch keine Besserung eingetreten. 

• Rasselnder Atem oder Keuchen machen sich bemerkbar. Das signalisiert, dass das Kind erhebliche Probleme beim Luftholen hat.

  • Das Baby neben einer Schnupfnase auch Husten bekommt

• Eventueller Hustenauswurf ist auffällig gefärbter.  

Verweigert dein Kind die Nahrung, kann das auch daran liegen, dass es Halsschmerzen bzw. Schmerzen beim Schlucken hat. Das könnte auf eine Mandelentzündung hinweisen. Und auch beim Verdacht einer Mittelohrentzündung (siehe oben) gilt: ab in die Arztpraxis. 

TIPP: Suche lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kinderärztlichen Rat.So erfährst du auch, ob du dein Kind mit Zäpfchen, Hustensaft oder anderen Medikamenten versorgen solltest. 

ACHTUNG – dem Baby oder Kleinkind niemals Medikamente für Erwachsene verabreichen. Auch nicht in verringerter Dosis! Solche Medikamente sind niemals für Babys und Kleinkinder geeignet. Also Finger weg davon!

Als Elternteil bist du die Person, die abgrenzen muss, ob dein Baby einfach nur ein wenig erkältet ist, oder ob es krank ist. Für dein Kind ist es wichtig, dass du erkennen kannst, wann welche Hilfe nötig ist. Das kannst du lernen. In meinem Online-Erste Hilfe Kurs zeige ich dir, wie du ein gesundes von einem kranken Kind unterscheidest, wie du Notfälle verhinderst und natürlich auch, wie du richtig handeln kannst, wenn dein Kind schwerer krank geworden ist. 

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.