Schutz gegen Eindringlinge

Wenn es ums Thema Impfen in der Schwangerschaft geht, erleben wir Hebammen in der Praxis immer wieder verunsicherte Frauen. Natürlich möchte keine werdende Mutter sich und ihr ungeborenes Kind einer eventuellen Gefahr aussetzen. Aber dann steht beispielsweise die Grippesaison vor der Tür. Oder die sonst so friedfertige Katze hat unerwartet zugebissen. Von Corona mal ganz zu schweigen. Was jetzt?

Falls dir die Frage nach der Corona-Impfung unter den Nägeln brennt: Diesem Thema habe ich hier einen eigenen Beitrag auf meinem Blog gewidmet. 

Impfen in der Schwangerschaft

Aber auch jenseits von Corona fragst du dich vielleicht, ob du jetzt trotz Schwangerschaft noch eine bestimmte Impfung benötigst. Oder ob du eine früher erhaltene Immunisierung auffrischen müsstest. Dass dich das beschäftigt, ist völlig okay und zeigt, wie sehr dir deine Gesundheit und die deines Babys am Herzen liegt. Schließlich schützen Impfungen schwangere Frauen vor bestimmten Infektionskrankheiten bzw. verhindern einen schweren Krankheitsverlauf, der das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt erhöhen würde.

Bist du geimpft, so erhält dein ungeborenes Kind von dir automatisch entsprechende Antikörper. Damit hat es in seinen ersten Lebensmonate nach der Geburt Immunschutz.

Ein zuverlässiger Leuchtturm in Impfangelegenheiten auch während der Schwangerschaft ist die Ständige Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert-Koch-Institut. In Deutschland gelten die Impf-Empfehlungen dieses unabhängigen Expertengremiums seit fast 50 Jahren als offizieller Leitfaden. Er basiert auf stets aktuellen Forschungsergebnissen in der Medizin sowie dem neuesten Stand bei der Entwicklung von Impfstoffen. Du kannst dich also darauf verlassen, dass die Empfehlungen der STIKO keine anderen Interessen verfolgt als die bestmögliche Gesundheit des einzelnen Menschen und der Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund sind manche Impfungen für schwangere Frauen besonders wichtig, andere werden in der Schwangerschaft dagegen nicht empfohlen. Der Unterschied liegt auch darin, ob es sich um einen sogenannten Totimpfstoff oder einen Lebendimpfstoff handelt:

• Ein Totimpfstoff enthält abgetötete Krankheitserreger, die sich im Menschen nicht mehr vermehren und daher auch keine Infektion auslösen können. Deshalb stellen Totimpfstoffe regelmäßig kein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Schwangere dar. 

• Ein Lebendimpfstoff enthält lebende Erreger in abgeschwächter Form, die sich im Menschen noch vermehren können. Allerdings wurden den Erregern jene Eigenschaften weggezüchtet, die zur Erkrankung führen. Dennoch sollten Lebendimpfstoffe in der Schwangerschaft nach Möglichkeit vermieden werden.

Empfohlene Impfungen für Schwangere

Die STIKO empfiehlt grundsätzlich, sich in der Schwangerschaft z.B. gegen Grippe und Keuchhusten (Pertussis) impfen zu lassen. Bei beiden Impfungen werden Totimpfstoffe verwendet.

Die Impfung gegen Grippe sollte am besten im Oktober oder November durchgeführt werden, also noch vor dem Winter. Sie wird ab dem vierten Schwangerschaftsmonat verabreicht. Liegen bei der werdenden Mutter bestimmte Vorerkrankungen vor (z.B. Diabetes, Bluthochdruck oder Asthma), so kann sie bereits vor dem vierten Schwangerschaftsmonat geimpft werden.

Um der Grippegefahr zu entgehen, solltest du im Alltag außerdem auf Hygienemaßnahmen achten, etwa immer gründlich deine Hände waschen. Das mindert dein Risiko, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Es wird durch Tröpfchen oder Oberflächenkontakt übertragen. Ein sorgfältiges Hygieneverhalten beugt zudem einer Erkältung vor, die von keiner Grippeschutzimpfung ausgebremst werden kann.

Die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) schützt dich und vor allem auch dein Kind nach der Geburt gegen eine entsprechende Infektion. Keuchhusten wird durch Bakterien übertragen und kann für Säuglinge in den ersten zwei Monaten sogar lebensbedrohlich werden. Wenn sich ein Baby mit Keuchhusten infiziert, so steckt es sich in 30 bis 50 Prozent aller Fälle bei seinen Eltern an.

Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Keuchhusten in jeder Schwangerschaft. Das gilt unabhängig davon, wie lange die vorherige Impfung zurückliegt. Die Immunisierung der werdenden Mutter sollte im dritten Trimester ab der 28. Woche erfolgen. Es kann aber bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel geimpft werden, wenn eine Frühgeburt droht.

Für Schwangere nicht empfohlene Impfungen

Nach aktuellem Stand empfiehlt die STIKO werdenden Müttern grundsätzlich keine Impfung gegen das Corona-Virus. Sie sollte nur in Ausnahmefällen nach sorgfältiger medizinischer Abwägung erfolgen. Näheres dazu findest du hier auf meinem Blog.

Wie erwähnt sollten Frauen, die ein Baby erwarten, möglichst keine Lebendimpfstoffe erhalten.

Somit sollten sie in der Schwangerschaft auch nicht gegen Mumps, Masern und Röteln sowie gegen Windpocken (Varizellen) geimpft werden.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Aber was ist, wenn ich eine solche Impfung erhalten habe, kurz bevor ich schwanger wurde? Oder sogar noch am Anfang der Schwangerschaft, als ich noch gar nicht wusste, dass ich ein Baby erwarte? Zu diesen Situationen gibt die STIKO Entwarnung: In keinem Fall musst du deshalb über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken. Solche Fälle kommen zwar vor und sind auch dokumentiert –  aber sie zeigten kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Kindes.

Impfungen für Schwangere bei Bedarf

Über größere verschmutzte Wunden können Bakterien in den Körper eindringen und eine Tetanusinfektion (Wundstarrkrampf) hervorrufen. Im akuten Fall kann also eine Tetanus-Impfung erforderlich werden, sofern kein ausreichender Immunschutz vorhanden ist. Diese Impfung ist bei Bedarf auch für werdende Mütter gefahrlos möglich. Gleiches gilt für die Hepatitis B-Impfung. Diese kann nötig werden, wenn man mit dem entsprechenden Virus über Körperflüssigkeiten, Blut oder verunreinigte Spritzen in Kontakt gekommen ist.

Auch gegen Diphterie und Polio ist eine Impfung in der Schwangerschaft möglich. Falls diese Frage bei dir im Raum steht, sprich am besten mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt darüber.

Wieder andere Impfungen könnten anstehen, wenn du schwanger auf Reisen gehen willst (z. B. gegen Typhus, FSME oder Tollwut). Informiere dich rechtzeitig darüber, welche Empfehlungen für dein Zielland gelten. Auch darüber solltest du medizinischen Rat einholen. In jedem Fall müssen Risiken und Nutzen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Impfungen in der Stillzeit

Während du dein Kind stillst, kannst du grundsätzlich wieder alle Immunisierungen vornehmen lassen – sowohl mit Tot- als auch mit Lebendimpfstoffen. Einzige Ausnahme: die Impfung gegen Gelbfieber. Darauf sollte laut STIKO verzichtet werden.

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.