Nichts ist aktuell so präsent, wie die Frage zu Corona-Impfungen

Nicht nur in Talkshows, in Nachrichten oder auf Plakaten: Die Frage nach der Impfung gegen eine Covid-19-Infektion nimmt immer weiter Fahrt auf. Vor allem seitdem wir wissen, dass die Impf-Priorisierung in absehbarer Zeit aufgehoben wird und es dann „Impfangebote für alle“ geben soll. Alle – dazu gehören auch stillende Mütter. Aber sollten sie sich auch impfen lassen?

Wahrscheinlich denkst auch du in der Stillzeit über diese Frage nach. Und bist möglicherweise unsicher, wie du dich verhalten sollst. Einerseits wünscht du dir wahrscheinlich für dich persönlich einen guten Schutz gegen das Corona-Virus – andererseits plagen dich vielleicht Bedenken, ob deine Impfung dann deinem Kind schaden könnte. Immerhin trinkt es deine Muttermilch.

Kein Wunder also, dass sich viele Eltern mit solchen Gedanken an mich wenden. Sie möchten z.B. wissen, ob es eine „offizielle“ Impfempfehlung für stillende Mütter gibt. Oder wie sie sich idealerweise verhalten sollten, um die bestmögliche Sicherheit für sich und ihr Baby zu erzielen.

Das gute für mich als Hebamme ist, dass es im Bezug auf die Impfung einen Leuchtturm gibt, der mit seinen Empfehlungen die bestmögliche Sicherheit zu geben versucht.

Was sagt die STIKO zur Corona-Impfung in der Stillzeit?

In Deutschland entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ob eine Impfung in die Schutzimpfungsrichtlinie aufgenommen wird. Ist das der Fall, tragen die Krankenkassen auch die Kosten. Grundlage für die Entscheidung sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Der Gemeinsame Bundesausschuss folgt in der Regel diesen Empfehlungen, kann theoretisch aber auch davon abweichen.

Wichtig für dich zu wissen ist also, wer die STIKO eigentlich ist – und was sie zur Corona-Impfung für stillende Mütter sagt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut besteht aus unabhängigen Expertinnen und Experten. Das Gremium entwickelt seit 1972 Empfehlungen dazu, welche Impfungen Erwachsene und Kinder in Deutschland erhalten sollten. Dabei wägt die STIKO den Nutzen und die Risiken einer Impfung sowohl für den einzelnen Menschen (bzw. eine Personengruppen) als auch für die gesamte Gesellschaft ab. Die Empfehlungen basieren auf nachgewiesenen medizinischen Zusammenhängen und Wirksamkeiten. Dafür werden die jeweils aktuellen Erkenntnisse herangezogen.

Bei der Corona Impfung für Schwangere ist die Empfehlung der STIKO ist eindeutig (Stand April 2021): Sie rät von einer generellen Impfung schwangerer Frauen ab, weil noch entsprechende Studiendaten fehlen. Nur Schwangere mit besonderen Risiken können immunisiert werden – nach eingehender Beratung und Abwägung. Das sehen die Fachgesellschaften übrigens anders. Sie fordern (Stand Mai 2021) mittlerweile ausdrücklich ein Impfangebot an alle schwangeren und stillenden Frauen.

Die STIKO stellt für stillende Mütter wiederum fest, dass „aktuell nur wenige Daten“ vorliegen. Vor allem werden Daten zur Frage vermisst, wie sicher eine Covid-19-Impfung der Mutter für das gestillte Baby ist und ob sich die Immunisierung möglicherweise auf die Milchproduktion auswirkt. Trotzdem hält es die STIKO „für sehr unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.“ Das klingt beruhigend, aber irgendwie auch vage.

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Was sagen die Fachgesellschaften zur Corona-Impfung in der Stillzeit?

Deutlicher werden die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM), die Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Nationale Stillkommission (NSK) in einer gemeinsamen Empfehlung. Darin heißt es: „Der potenzielle Nutzen der Impfung überwiegt bei Stillenden mit erhöhtem COVID-Risiko die theoretischen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Impfung deutlich.“ Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die Impfung bei Stillenden die gleich hohe Schutzwirkung hat wie bei nicht-stillenden Frauen. Es wird zudem stark vermutet, dass die Immunisierung der stillenden Mutter zugleich mehr Schutz für das Baby bedeutet. Bei Müttern, die eine Corona-Infektion durchmachen bzw. durchgemacht haben, wurden bereits Antikörper gegen das Virus in der Muttermilch festgestellt. In der Empfehlung heißt es weiter: Mütter, die ein „erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“ haben, könnten möglicherweise eine Stillpause von ein bis drei Tagen nach der Impfung einlegen. Notwendig sei dies jedoch nicht.

Anfang Mai 2021 haben nun insgesamt 11 Fachgesellschaften gefordert, allen stillenden Müttern ein Impfangebot zu machen – und zwar ausschließlich mit einem mRNA-Präparat. Begründung: Neben dem Schutz der Mutter erhält auch der Säugling über die Muttermilch Antikörper gegen das Corona-Virus. Zudem ist keine Stillpause nach der Impfung nötig, weil die mRNA des Impfstoffes nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden konnte.

Was tun?

Erstmal das Wichtigste: Stille dein Kind! Damit verleihst du deinem Baby den besten Schutz, den du ihm geben kannst! Schließlich braucht dein Baby Schutz gegen viele Bakterien und Viren. Dieser Schutz ist unersetzbar. Längere Stillpausen über mehrere Tage gefährden den Stillerfolg. Du solltest Stillpausen also nur gut vorbereitet und wohl überlegt in dringenden Notfällen einlegen.

Jenseits davon fragst du dich vielleicht, was du aus den aktuellen Erkenntnissen und Stellungnahmen zur Corona-Impfung für dich mitnehmen kannst. Fassen wir nochmal zusammen:

Es gibt für stillende Frauen noch keine allgemeine „offizielle“ Empfehlung, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Anders sieht es aus, wenn du zur Gruppe der Risikopatienten gehörst (z. B. wegen einer Herzerkrankung). In dem Fall wird der Nutzen einer Impfung höher eingeschätzt als das Risiko einer Erkrankung.

Nach aktuellem Kenntnisstand stellt eine Corona-Impfung (insbesondere mit einem mRNA-Serum!) während der Stillzeit kein gesundheitliches Risiko fürs Baby dar. Vermutet wird das Gegenteil: Dein Kind erhält über die Muttermilch wahrscheinlich noch mehr Immunschutz gegen das Virus.

Letztlich kann dir jedoch niemand die Entscheidung abnehmen, ob du dich als stillende Mutter gegen Corona impfen lassen solltest oder nicht. Es ist in der Stillzeit jedoch davon auszugehen, dass deine Impfung deinem Baby nicht schaden wird. Hier kann ich dir nur raten: Sprich darüber auch mit deiner Hebamme sowie deiner Ärztin bzw. deinem Arzt. Und vertraue darauf, dass du den für dich richtigen Weg finden wirst.

Solltest du dich für eine Impfung entscheiden, so ist aber eines auch klar: Nach der Aufhebung der Impf-Priorisierung wirst du um einen zeitnahen Impftermin genauso ringen müssen wie jeder andere Mensch, der jedoch kein Baby mit Muttermilch nährt. Es sei denn, es hieße in Deutschland: Stillende Mütter first! Falls die Vermutung stimmt, dass gestillte Babys über einen Impfschutz der Mutter einen besseren Schutz haben sollten, würde das sogar Sinn ergeben. Denn inzwischen ist bekannt, dass Säuglinge im ersten Lebensjahr sehr gefährdet sind einen schweren Covid 19-Verlauf zu haben, wenn sie sich infizieren. In jedem Fall ist es wichtig, dass du dein Baby vor einer Ansteckung bewahrst und sorgsam mit den Abstandsregeln umgehst. Um dein Baby zu schützen, solltest du diese auch von den Menschen einfordern, die Kontakt zu dem Baby und dir bekommen. Denn selbst mit Impfschutz gilt: Es gibt keine 100%ige Sicherheit. Weder vor einer Infektion, noch für einen dauerhaften Immunschutz vor dieser noch neuen und noch immer wenig erforschten Corona-Variante.

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Katharina Jeschke

Katharina Jeschke

Gründerin von elternundbaby.com und Hebamme

Als Geburtshausleiterin, Hebamme und Mutter unterstütze ich Frauen dabei ihre Herausforderung während, vor und nach der Schwangerschaft besser zu bewältigen.

Um noch mehr Frauen zu erreichen, startete ich elternundbaby.com. Ich freue mich darauf, dich hier begrüßen zu dürfen.